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Wissenswerte: Forschung im Gespräch

Soldatengräber in Ypern, Belgien, 2008 [dpa]

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Wissenswerte, Di 09.02.10 10:26 Uhr

Tod aus der Luft: Giftgas aus dem Kaiser-Wilhelm-Institut

Tod aus der Luft. Den brachten tausende von Gaswaffen im ersten Weltkrieg. Entwickelt wurden sie als erstes in Berlin-Dahlem. Im so genannten deutschen Oxford am Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie. Gründungsdirektor Fritz Haber forschte persönlich am Einsatz neuer Sprengstoffe. Die gesamte chemische Forschung des Instituts unterstellte er den Kriegsinteressen Deutschlands. Auf seine Empfehlung hin wurde 1915 das erste Giftgas an der Front eingesetzt. Maren Schibilsky berichtet.

Flandern in Belgien. Westfront bei Ypern. April 1915. Seit Tagen haben die deutschen Truppen auf diesen Moment gewartet. Endlich kommt der Wind aus günstiger Richtung. Endlich können sie tausende von eingegrabenen Stahlflaschen öffnen. Unter persönlicher Aufsicht des deutschen Chemikers Fritz Haber.

Jeremiah James, Wissenschaftshistoriker: "Es war ihm wichtig. Er hat schon seit Herbst 1914 die Forschung über Giftgas geleitet und er war da, die Generäle zu überzeugen, dass die Anwendung von Giftgas erfolgreich sein könnte. Die Generäle waren es nicht gewohnt, den Wind zu fragen, ob sie angreifen dürfen. Es war am Anfang ziemlich schwer, die Generäle zu zwingen, diese neue Art von Waffen zu benutzen."

Gaswaffen: der Schrecken des ersten Weltkriegs. Obwohl die Haager Landkriegsordnung von 1907 chemische Waffen verbot, kümmert das Fritz Haber und die deutsche Heeresverwaltung nicht – so der amerikanische Wissenschaftshistoriker Jeremiah James vom Fritz-Haber-Institut in Berlin.

Rund 150 Tonnen Chlorgas wälzen sich auf einer Breite von sechs Kilometern über die Schützengräben der Franzosen. Ein keuchender und hustender französischer Major meldet durchs Feldtelefon: "Ich werde heftig angegriffen. Jetzt breiten sich ungeheure gelbliche Rauchwolken über meine ganze Front aus. Die Schützen fangen an, die Gräben zu verlassen, viele fallen erstickt nieder."

Rund 3000 Soldaten kostet dieser erste Giftgasangriff das Leben. 7000 kommen mit Gasverletzungen davon. Getrieben von Patriotismus hatte Fritz Haber das Chlorgas am Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem entwickelt. Er glaubt, dass Deutschland damit den Stellungskrieg überwinden und einen schnellen Sieg für sich entscheiden könne.

Fritz Haber macht sein Institut freiwillig zum Forschungszentrum für Giftkampfstoffe, direkt der Heeresverwaltung unterstellt. Der deutsche Chemiker war froh, mit dem Giftgas endlich eine gewinnbringende Verwendung für Chlor gefunden zu haben.
Massenhaft fiel es in der Chemieproduktion an.

Was Haber anfangs übersieht, ist der Schutz der eigenen Soldaten. Mit Chemie getränkten Mullbinden werden sie in den Gaskrieg geschickt. Denn die anderen Kriegsparteien schlagen bald mit ähnlichen Waffen zurück.

Daraufhin bittet Haber seinen Freund, den deutschen Chemiker Richard Wilstätter, Atemschutzfilter für Gasmasken zu entwickeln. An Habers Institut werden sie getestet. An 200 Frauen und Mädchen – berichtet Jeremiah James, Wissenschaftshistoriker: "Im April 1915 hat er begonnen, diese Forschung zu machen. Später, im Herbst 1915 hat er viele andere Chemiker gefunden, die mit ihm arbeiten würden, neue Giftgase zu entwickeln. So hat er von 1915 bis zum Ende des Krieges an neuen Arten von Giftgas geforscht. Deshalb hat sich die Größe des Fritz-Haber-Institut seit Kriegsanfang verzehnfacht."

Rund 150 Wissenschaftler und 15 000 Angestellte forschen bis Kriegsende an Giftkampfstoffen. Das Institut muss durch Baracken erweitert werden. Zum Teil werden auch Räume der anderen Kaiser-Wilhelm-Institute belegt. Ein Viertel aller Waffen im ersten Weltkrieg waren Gaswaffen. Sie brachten mehr als einer Million Menschen den Tod.

Stand vom 08.02.2010

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 08.02.2010 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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Infos im WWW

Von der Gründung bis heute:

Zur Geschichte des Fritz-Haber-Instituts
[fhi-berlin.mpg.de]