VW Touran R-Line
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Bild: imago/Sebastian Geisler

- Streit um Darlehensverträge der VW Hausbank

In Berlin ist diese Woche ein Urteil gefallen, das neue Probleme für VW bedeuten könnte. Dabei geht es aber gar nicht um die Abgassteuerung oder Investorenklagen. In diesem Fall geht es um Darlehensverträge der VW-Hausbank. Eric Graydon aus der Inforadio-Wirtschaftsredaktion berichtet.

Los geht diese Geschichte im August 2014. Damals schloss der Kläger - es geht hier um einen Rechtsstreit - einen Darlehensvertrag mit der VW Hausbank.
Dieser Vertrag sollte es ihm ermöglichen einen gebrauchten VW Touran zu kaufen. Kostenpunkt knapp 23.000 Euro. Etwas mehr als ein Jahr später bricht der VW Dieselskandal los. Da auch der VW Touran in diesem Fall vom Dieselskandal betroffen war überlegte es sich der Kläger anders und erklärte gegenüber der VW Hausbank, dass er aus dem Darlehensvertrag aussteigen wolle und der Bank das Auto gegen Rückzahlung des von Ihm gezahlten Geldes gerne wieder zurückgeben würde. Der Trierer Rechtsanwalt Christof Lehnen vertritt den Kläger: "Die VW Darlehensbank hat die Rückabwicklung abgelehnt, da sie der Meinung war, dass die Vorgänge formal ordnungsgmäß sind. Das haben wir bestritten und es ist vom Landgericht bestätigt worden, dass die Verbraucherbelehrungen in den Kreditverträgen der VW-Bank nicht ordnungsgemäß sind. "

Dies ist in diesem Fall die Kernfrage: Hatte die VW Hausbank ihre Kunden ausreichend über deren Rechte informiert oder nicht? Das Berliner Landgericht kam nun zum Schluss, die Bank habe das nicht getan - dort gab man dem weiterhin widerwilligen Touran Eigentümer Recht. Bei der VW Hausbank zeigt man sich von diesem Fall unbeeindruckt. Stefan Voges ist Sprecher der Volkswagen Financial Services AG:
"Es handelt sich um eine Einzelfallentscheidung, die nicht verallgemeinerungsfähig ist. Außerdem ist das Urteil nicht rechtskräftig, da wir in Berufung gehen werden. Außerdem wurde unsere Rechtsauffassung von zahlreichen Gerichten bestätigt".

Auch das ist richtig. Mehrere Gerichte haben der Auffassung des Berliner Landesgerichts wiedersprochen. Im vorliegenden Fall will VW nun in Berufung gehen.  Insgesamt haben die VW Hausbank und ihre Tochterbanken für die entsprechenden Tochterunternehmen des VW Konzerns Kreditverträge für knapp 1,8 Millionen Fahrzeuge abgeschlossen. Es geht also um eine Menge Geld. Das ist auch der Grund, den der Trierer Anwalt hinter einem Angebot vermutet, das VW seinem Mandanten unterbreitet habe. In einer Email, die dem Inforadio vorliegt, bietet VW dem Kläger an, ihm das Auto zu schenken, für den Fall, dass er sich bereit erkläre, im Gegenzug das Verfahren fallen zu lassen. Darüberhinaus hätten sich der Kläger und dessen Anwälte zur Verschwiegenheit verpflichtet.
"Wir waren nicht bereit, die Stillschweigen-Verpflichtung zu unterschreiben und wollten auch nach außen dokumentieren, dass wir in keiner Weise käuflich sind", so der Anwalt der Klägers.

Volkswagen Financial Services wollten zwar den Inhalt des Angebotes nicht kommentieren, sagen allerdings, man habe auf Empfehlung des Landgerichts gehandelt, das beiden Parteien die Herbeiführung einer aussergerichtlichen Einigung nahegelegt habe.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

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