Symbolbild: Ungleiche Vermögensverteilung
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- Ungleiche Vermögensverteilung führt zu Zukunftsängsten

Abstiegs- und Zukunftsangst fördern den Zulauf zu rechtspopulistischen Parteien. Das hat eine im Sommer veröffentlichte Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung nachgewiesen. Der aktuelle Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Böckler-Stiftung hat nun womöglich einen Grund für diese Ängste identifiziert. Wirtschaftsreporterin Anja Dobrodinsky stellt die Studie vor.

Elternzeit, Kündigung, Krankheit – es gibt viele Ereignisse im Leben, die dazu führen können, dass ein Teil des Gehalts oder sogar das ganze Einkommen wegfallen. Dann müssen Betroffene ihren Lebensstandard senken oder von ihrem Ersparten zehren. Die Vermögen in Deutschland sind allerdings vergleichsweise niedrig und sie sind sehr ungleich verteilt. Das ist das Ergebnis des aktuellen Verteilungsberichts des Wirtschafts- Sozialwissenschaftlichen Instituts WSI. Der so genannte Gini-Koeffizient gibt an, wie ungleich das Vermögen verteilt ist, erklärt WSI-Direktorin Anke Hassel. Demnach wäre bei eins der gesamte Besitz bei einer Person, bei null wäre er gleich verteilt. Derzeit liege der Koeffizient bei 0,73.

Wie lange könnten die Deutschen nun von ihrem Vermögen leben? Bei fast einem Drittel der Haushalte wäre es nach wenigen Wochen aufgezehrt. Im Schnitt würden die deutschen Haushalte nicht länger als zwei Jahre durchhalten, sagt Anita Tiefensee, Verteilungsexpertin am WSI und Autorin der Studie. Zehn Prozent der Haushalte könnten mindestens knapp 13 Jahre von ihrem Vermögen leben, fünf Prozent der Haushalte über 21 Jahre.

Unterstützung beim Vermögensaufbau notwendig

Sie bilden das andere Ende der Messlatte und haben große Freiheiten. Die starken sozialen Sicherungssysteme in Deutschland fangen nun die Ärmsten auf, bei denen an Vermögen gar nicht zu denken ist. Sie machen ungefähr 20 Prozent aus. Die untere Mittelschicht, also die nächsten 30 Prozent, sind meist nicht auf staatliche Leistungen angewiesen. Aber auch sie könnten nur kurze Zeit von ihrem Vermögen leben, gibt Institutsdirektorin Anke Hassel zu bedenken. Wenn man feststelle, dass man selbst bei einem niedrigen Konsumniveau in der Regel nur ein Jahr von dem Vermögen leben könnte, sage das etwas über die materielle Lebensunsicherheit dieser Familien aus.

Und diese Angst betreffe die Mitte der Gesellschaft. Wie kann diese Unsicherheit nun verringert werden? Auch dazu machen die Forscherinnen Vorschläge. Vor allem sollte die untere Mittelschicht dabei unterstützt werden, Vermögen aufzubauen, empfiehlt Anita Tiefensee. Dazu brauche es entsprechende Rahmenbedingungen. Gut bezahlte Erwerbseinkommen seien zentral und unerlässlich für die Haushalte, weil man sonst überhaupt nicht sparen könne. Dafür sei eine Tarifbindung wichtig und ein ausreichendes Betreuungsangebot für die Kinder. Auch eine eigene Immobilie bedeute Vermögen. Tiefensee könnte sich deshalb eine staatliche Förderung für den Haus- oder Wohnungskauf vorstellen.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

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