Illustration: Bahn contra Straße
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- Straße deutlich teurer als Schiene

Bahn, Auto oder Flugzeug - welches Verkehrsmittel kostet den Staat und die Steuerzahler am meisten Geld? Um das herauszufinden und Vorurteile zu entkräften, hat das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen eine Studie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Die Bahn sei in punkto Kosten deutlich besser als ihr Image. Ein Beitrag von Anja Dobrodinsky.

Um wirklich vergleichen zu können, wer die Allgemeinheit am meisten Geld kostet - Schiene, Straße oder Luft - sind viele Datenerhebungen nötig. Und daran mangelt es. Das hat die Monopolkommission, die die Bundesregierung berät, in einem aktuellen Gutachten festgestellt. Sie fordert deshalb eine umfassende Studie zum Thema.

Eine erste Vorarbeit dazu hat nun Christian Böttger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin geleistet und zwar im Auftrag der Netzwerks Europäischer Eisenbahnen. Über das wichtigste Ergebnis freut sich der Vorstandsvorsitzende des Branchenverbands Ludolf Kerkeling: Danach sei die Bahn mitnichten der Subventionsempfänger der Nation und die Autofahrer die Melkkühe, wie gemeinhin gern angenommen werde

Die Kosten der Deutschen Bahn waren dabei einfach zu berechnen: Jedes Jahr wird veröffentlicht, wie viel Zuschüsse sie von Bund und Ländern bekommt. Es sind rund zwölf Milliarden Euro, so die Studie. Schwieriger wird es beim Thema Straße, erklärt Studienautor Christian Böttger: Es gebe keine sauberen Zahlen darüber, wie viel die Straßeninfrastruktur kostet. Die Zahlen in offiziellen Statistiken seien viele Jahre alt, so Böttger, und für Kreis- und Gemeindestraßen würden sie nicht zentral erhoben. Deswegen gebe es da nur sehr grobe Schätzungen.

Straße hat höhere Folgekosten

Böttger hat dennoch versucht, die Kosten abzuschätzen. Für den Bau und Erhalt der Straßen kommt er auf 30 Milliarden Euro im Jahr. Dazu rechnet er die Kosten für die Verkehrspolizei von noch einmal zwölf Milliarden Euro. Das sei aber noch nicht alles, denn ein erheblicher Teil, für den Steuer- und Abgabenzahler aufkämen seien Unfallfolgekosten, die bei der Kranken-, Pflege-, oder Rentenversicherung landeten.

Christian Böttger schätzt diese Kosten auf 18 Milliarden Euro. Zusammen macht das 60 Milliarden. Ziehe man die Einnahmen aus dem Straßenverkehr durch Steuern und LKW-Maut ab, blieben immer noch 38 Milliarden Euro an Kosten übrig, deutlich mehr als bei der Schiene. Böttgers Fazit: Die Bahn bekomme zwar hohe Subventionen, der Straßenverkehr aber auch, und das, obwohl er umweltschädlicher ist. Ähnliches gelte für den Luftverkehr. Das widerspreche jedoch den umweltpolitischen Zielen und sei nebenbei auch noch ein schlechtes Vorbild: Nach wie vor benutzten zwei Drittel der Deutschen nie öffentliche Verkehrsmittel, während die Durchschnitts-PS-Zahl pro Auto bei den Neuzulassungen jährlich um ein Prozent steige. Dazuhin wollten viele auch noch drei Mal pro Jahr zum Kurzurlaub nach Barcelona fliegen.

Böttgers Studie liefere zwar nicht alle von der Monopolkommission geforderten Informationen. Sie habe aber zumindest viele Kostenquellen identifiziert, die nun im Detail recherchiert werden müssten, so die Kommission.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

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