Die brititsche und eine EU-Flagge wehen vor den Londoner Houses of Parliament
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- Britische Industrie: Brexit-Ungeduld wächst

Die Brexit-Verhandlungen stocken: Bisher reden Großbritannien und die EU nur über die Modalitäten der Trennung, aber nicht über ihre künftigen Wirtschaftsbeziehungen. Obwohl doch viele britische Unternehmen darauf drängen, möglichst rasch Klarheit zu haben. Andernfalls drohen sie mit einem Investitionsstau - oder gar mit Abwanderung. Das Thema elektrisiert die Manager und bestimmt das Jahrestreffen ihres Industrieverbandes, berichtet ARD-Korrespondentin in London, Stephanie Pieper.

Der Brexit erinner Paul Drechsler, den Präsidenten der Confederation of British Industry (CBI) bisweilen an eine Fernseh-Seifenoper - jede Woche eine neue Folge: eine Grundsatzrede der Premier-Ministerin, ein Brexit-Brief, der offizielle Start der Verhandlungen, mehr oder minder geglückte Dinner von Theresa May mit dem EU-Kommissions-Präsidenten Jean-Claude Juncker, wieder eine Grundsatzrede, wieder ein EU-Gipfel.

Kein Happy End in Sicht

Die Story hat jede Menge Drehungen und Wendungen, aber ein Happy End ist nicht in Sicht, so der CBI-Boss: "Bis zum Brexit sind es nur noch 508 Tage, aber viele Firmen haben ihren Wecker früher gestellt für den Moment, wenn sie ihre Notfall-Pläne aktivieren müssen. Zehn Prozent der Unternehmen haben das schon getan und etwa Personal verlagert. Ohne eine Einigung auf eine Übergangs-Phase werden bereits im März nächsten Jahres insgesamt 60 Prozent der Firmen dasselbe getan haben."

Die Unternehmen scharren mit den Hufen

Drechsler bezieht sich auf eine aktuelle Umfrage des Industrie-Verbandes unter seinen Mitgliedern. Die Uhr tickt. Die Unternehmen scharren mit den Hufen. Der Frust über die Politiker in London und Brüssel wächst. Der bevorstehende EU-Austritt erschwere es bereits, Fachkräfte ins Land zu locken, klagt Gavin Patterson, der Chef von British Telecom. Auch er erinnert die Brexit-Unterhändler an die Realität in der Welt der Wirtschaft: "Der Planungs-Horizont vieler Kunden, mit denen ich spreche, liegt bei zwölf bis achtzehn Monaten. Wenn es also nicht rechtzeitig Gewissheit gibt hinsichtlich einer Übergangszeit, dann muss man für den schlimmsten Fall planen."

Für "no deal" - kein Scheidungs-Abkommen, kein Übergangs-Abkommen und keine Aussicht auf ein Freihandels-Abkommen - das ist der Albtraum der britischen Industrie. Bei Banken und Versicherungen, die bislang vom ungehinderten Zugang zum europäischen Markt profitieren, könnten Zehntausende Jobs verloren gehen, sollte die Finanz-Branche ihre Privilegien ab dem Brexit-Stichtag einbüßen. Die konservative Regierungs-Chefin versuchte die versammelten Unternehmer und Manager zu beruhigen und zeigte sich weiter zuversichtlich, den bestmöglichen Brexit-Deal für die britische Wirtschaft zu erreichen.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

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