Lufthansa- und Air-Berlin-Maschinen stehen auf dem Rollfeld des Flughafens Tegel
Bild: imago/Rüdiger Wölk

- Lufthansa übernimmt Air Berlin: Die Folgen des Deals

Das Ende von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin ist besiegelt. Am Donnerstag Mittag hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr die Übernahme-Verträge für einen großen Teil der insolventen Airline unterschrieben. Was aber bedeutet der Deal für die Fluggäste und den umkämpften Flug-Markt in Europa? Ein Beitrag von Arne Bartram.

Die Nummer eins schluckt die Nummer zwei. Mit der Übernahme von Air Berlin kann die Lufthansa ihre Marktmacht auf dem europäischen Flugmarkt noch weiter ausbauen. Für die Kunden könnte das steigende Preis bedeuten - vor allem bei innerdeutschen Flügen, sagt Branchenexperte Cord Schellenberg.

Kartellbehörde muss noch zustimmen

Dem Deal zwischen Air Berlin und Lufthansa könnten jetzt aber noch die EU-Wettbewerbshüter einen Strich durch die Rechnung machen. Die Kartellbehörde muss dem Kauf nämlich noch zustimmen - und da könnte es Probleme geben. Vor allem dort, wo Air Berlin und Lufthansa gerade schon die dominierenden Airlines sind, sagt Justus Haucap, Direktor des Instituts für Wettbewerbsökonomie an der Uni Düsseldorf.

Flugexperte Schellenberg sieht Alternativen

Wesentlich einfacher wäre die Situation, wenn auch Easyjet noch Teile von Air Berlin übernimmt. Dann wäre die Gefahr eines Monopols durch die Lufthansa nicht ganz so groß. Mit dem britischen Billig-Flieger wird aktuell noch verhandelt. Aber auch wenn es da keine Einigung gibt, sieht Flugexperte Schellenberg Alternativen. "Es gibt weitere Interessenten, z. B. Condor. Die Flugzeuge, die übrig sind, könnte Condor auf touristischen Strecken einsetzen."

Lufthansa bekundet Interesse an Al Italia

1,5 Milliarden Euro investiert die Lufthansa in Air Berlin. Weitere Neukäufe nicht ausgeschlossen. Lufthansa-Chef Spor hat sagte am Donnerstag, sein Unternehmen habe Interesse daran, die insolvente italienische Fluggesellschaft Alitalia zu übernehmen. Deutschlands größte Fluggesellschaft könnte also immer weiter wachsen. Besondere Rückendeckung aus der Politik gegen die Wettbewerbshüter habe die Airline deshalb nicht nötig, findet Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap, denn internationale Erfahrungen zeigten, dass man sich damit häufig die Finger verbrenne und zudem fliege die Lufthansa derzeit noch ordentliche Gewinne ein. Den Branchen-Primus zu stark in Schutz zu nehmen könnte am Ende nämlich zu Lasten der Verbraucher gehen.

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