Versicherungsvertreter beim Verkaufsgespräch (Bild: imago/Barbara Kirchhof)

- Wahl zum 'Versicherungskäse 2017'

Den Versicherungskäse des Jahres kürt der Bund der Versicherten in Kürze. Ausgezeichnet werden damit zum dritten Mal unnütze, teure oder unverständliche – also kurz: schlechte - Versicherungsprodukte. Verbraucherschützer, Journalisten und Experten wählten jetzt die drei Nominierten. Wirtschaftsreporterin Anja Dobrodinsky stellt sie vor.

Krebs-Airbag nennt der Lebensversicherer "Ideal" sein neues Produkt. Im Falle einer Krebserkrankung zahlt es Betroffenen eine bestimmte Summe aus. Davon sollen die Versicherten dann ihren Lebensunterhalt bestreiten können oder Therapien bezahlen, die die Krankenkasse nicht übernimmt. Für eine Summe von 50.000 Euro muss eine 40jährige Frau 20 Euro im Monat an Beiträgen leisten. Der Krebs-Airbag springt nur ein, wenn die Betroffenen vorher noch nie an Krebs erkrankt waren. Das Angebot der "Ideal" gehört zu den so genannten Ausschnittversicherungen. Lars Gatschke, Versicherungsexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, erklärt, was das ist: "Ich kann eine Eventualität absichern und kriege dann bestimmte Versicherungsleistungen. Und das widerspricht eigentlich dem Ansatz, den die Verbraucherzentralen führen, nämlich Risiken umfassend abzudecken."

Zum Beispiel mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Und das ist wohl auch der Grund, warum der Krebs-Airbag für die Auszeichnung Versicherungskäse 2017 nominiert ist. Gatschke ist Jurymitglied. Er kritisiert außerdem, dass solche Angebote mit der Angst der Verbraucher spielen, in diesem Fall der Angst vor einer Krebserkrankung. Den Käse-Wettbewerb hat der Bund der Versicherten vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Vorstandssprecher  Axel Kleinlein erklärt warum: "Es ist uns wichtig, mit dem Versicherungskäse drauf hinzuweisen, dass die Versicherungswirtschaft zum Teil überflüssige, falsche oder auch geradezu irreführende Angebote macht, die den Verbraucher überhaupt nicht weiterführen, sondern tatsächlich nur das Geld aus der Tasche ziehen."

Neben dem Krebs-Airbag ist auch eine Elektronik-Versicherung der Einzelhandelskette Saturn nominiert. Sie springt ein, wenn dem Versicherten Smartphone, Tablet oder E-Book-Reader kaputt gehen oder gestohlen werden. Solche Produkte gebe es in den letzten Jahren zuhauf, sagt Jurymitglied Lars Gatschke: "Das Problem bei diesen Produkten ist in der Tat, dass ich einen erheblichen Anteil des Kaufpreises für die Versicherungssumme aufwenden muss. Und wenn man sich anguckt, was abgesichert ist, ist das eine extrem schmale Absicherung."

Im Fall der Saturnversicherung müssen Kunden für ein 250-Euro-Handy 120 Euro Versicherungsbeiträge für zwei Jahre zahlen. Im Schadensfall bleibt ihnen zudem eine Selbstbeteiligung von 50 Euro. Das dritte nominierte Versicherungsprodukt ist eine Art betriebliche Altersvorsorge mit integrierter Prepaid-Kreditkarte des Versicherers HDI. Es ist schwer verständlich und vor allem für den Arbeitgeber interessant. Der kann dabei Sozialabgaben sparen. Schon zweimal vergab der Bund der Versicherten die Auszeichnung Versicherungskäse des Jahres. Vorstandssprecher Axel Kleinlein über die Reaktionen der Anbieter: "Vom Markt genommen wurde meines Wissens kein einziges der nominierten Produkte, aber die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Während die Allianz vor zwei Jahren ihren Käse wirklich abgeholt hat und das Ganze auch souverän gemeistert hat, war es so, dass die Axa letztes Jahr sich nicht hat blicken lassen."

Anfang Mai wird dann in Berlin der diesjährige Sieger des Wettbewerbs um den Versicherungskäse gekürt.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)

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