Symbolbild Onlineshopping, Quelle: Colourbox

- Verbraucherschützer kritisieren Re-Commerce-Plattformen

Gebrauchte Bücher, Handys oder Jeans können Verbraucher nicht nur wegwerfen oder spenden. So genannte Re-Commerce-Plattformen im Internet kaufen sie an. Das funktioniert meist mit wenig Aufwand. Allerdings stehen die Anbieter bei Verbraucherschützern in der Kritik. Mehr dazu von Wirtschaftsreporterin Anja Dobrodinsky.

Für den aktuellen Roman des Buchpreisträgers Bodo Kirchhoff bietet die Ankaufplattform 15 Cent. Die Markenjeans würde sie für 2,64 Euro kaufen. Wer Gebrauchtes loswerden möchte, tippt oder scannt Buch-Nummer oder CD-Strichcode ein. Für Kleidung genügt meist der Herstellername und die Kategorie, also zum Beispiel Bluse. Bei elektronischen Geräten wie Handys müssen Verbraucher genaue Angaben zum Zustand machen. Ist das erledigt, schlagen die Ankaufplattformen einen Preis vor. Sind die Verkäufer einverstanden, können sie ihre Waren kostenlos einschicken. So weit so gut. Doch was danach passiert, sei oft nicht transparent, kritisiert Maike Lück vom Marktwächterteam der Verbraucherzentrale Brandenburg. Es gebe viele Beschwerden. Lück nennt als Beispiel wenn ein Vertrag nicht zustande kommt, die Ware nicht angenommen wird, muss trotzdem eine Überprüfungspauschale, eine Bearbeitungsgebühr gezahlt werden. Die ist teilweise höher als das, was man tatsächlich für das Smartphone bekommen würde.

Kaputte Waren werden nicht angenommen

Die Anbieter prüfen die Waren erst einmal. Zerkratzte Handys, eingerissene Bücher oder löchrige Jeans nehmen sie oft nicht an. Einige verlangten dann die erwähnten Gebühren. Doch das sei nur zulässig, wenn sie die Verbraucher vorher darüber aufklären. Eine Umfrage habe zudem ergeben, dass es vier von zehn Nutzern der Ankaufplattformen am Ende nicht den vereinbarten Preis für ihre Waren bekamen. Zwar dürften die Anbieter den Preis noch einmal ändern, wenn die Waren nicht ihren Anforderungen entsprechen. Allerdings müssten sie die Verbraucher auch darüber vor dem Verkauf aufklären, sagt Maike Lück. Sie  kritisiert auch, dass  Ankaufplattformen ein Gegenangebot machen. Wenn nicht innerhalb einer gewissen Frist reagiert wird, gilt das als angenommen.
Das geht juristisch nicht. Schweigen kann nicht als Zustimmung gewertet werden, nur dann für den Fall, wenn tatsächlich vorher nochmal expliziert darauf hingewiesen wird, so Meike Lück.

Fünf Ankaufplattformen abgemahnt

Das gelte auch, wenn die Anbieter abgelehnte Waren nach einer bestimmten Frist entsorgen wollen. Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat nun fünf Ankaufplattformen abgemahnt. Vier haben ihre Geschäftsbedingungen inzwischen geändert. Eine ist nicht mehr aktiv. Nicht betroffen war das Berliner Re-Commerce-Unternehmen Momox. Geschäftsführer Heiner Kroke erklärt, wie seine Firma das mit dem Preis handhabt:
Danach ändert momox nie den Preis der in der App bzw. auf der Webseite zu sehen ist,  ist auch der Preis, der gezahlt wird, wenn der Artikel den Mindestzustands entspricht.

Was passiert, wenn Ware abgelehnt wird?

Haben die Verbraucher ihre Waren eingeschickt, prüft ein Mitarbeiter sie nach bestimmten Kriterien. Die sind auf der Webseite beschrieben. Wenn der Mitarbeiter die Waren ablehnt,  geht diese zu einem zweiten Kollegen. Der wird nochmal den gleichen Prüfungsprozess durchlaufen. Und erst wenn auch der zweite Kollege unabhängig von dem ersten feststellt, das ist wirklich ein Artikel, der nicht den Mindestzustandsvorschriften entspricht, geht eine Nachricht zum Kunden.

10 Prozent der Waren nicht akzeptabel

Das passiere in zehn Prozent der Fälle. Der Kunde könne sich dann entscheiden, ob er die Waren zurückhaben möchte oder ob sie entsorgt werden sollen. Antwortet er nicht, frage Momox noch zweimal nach. Insgesamt habe der Verbraucher sechs Wochen Zeit zu reagieren.

infos im www

Marktwächter - Ankaufplattformen verpflichten sich zu mehr Transparenz

Verbraucherzentrale Brandenburg zu Ankaufplattformen

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)

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