Symbolbild: Managerin (Bild: imago/Westend61)

- Die Frauenquote wirkt - langsam

Die vorgeschriebene Frauenquote für Führungspositionen in Unternehmen wirkt. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW bei mehr als 500 Firmen. Allerdings könnte es ruhig schneller voran gehen. Bleibt es beim bisherigen Tempo, dann ziehen Frauen erst in vielen Jahrzehnten mit den Männern gleich. Ein Beitrag von Anja Dobrodinsky.

Frauen in Spitzenpositionen sind hierzulande immer noch deutlich in der Minderheit. Seit dem vergangenen Jahr gibt es eine Quote: Gut hundert börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Unternehmen müssen in ihren Aufsichtsräten dafür sorgen, dass 30 Prozent der Posten mit Frauen besetzt werden. Die Quote habe der Entwicklung einen Schub gegeben, urteilt Elke Holst, Forschungsdirektorin für Gender Studies am DIW Berlin. Inzwischen sind gut 27 Prozent der Aufsichtsräte in den betroffenen Firmen Frauen. Das ist ein Plus von vier Prozentpunkten: "Die Geschlechterquote zeigt eine erste Wirkung in Aufsichtsräten. Wir müssen abwarten, wie sich das weiterentwickelt. Aber Vorstände bleiben weiterhin Männerdomänen. Dort hat sich nicht viel getan."

Schlusslicht ist die Finanzbranche

Nur acht Prozent der Vorstandsposten der 200 größten deutschen Unternehmen sind mit Frauen besetzt. Vorreiter beim Frauenanteil sind die 30 im Deutschen Aktienindex Dax notierten Unternehmen. Sie haben die Quote bei den Aufsichtsräten im Schnitt schon erreicht. Und auch bei den Vorständen gibt es vorbildliche Unternehmen wie Siemens, Daimler oder die Allianz mit rund einem Viertel Frauen. Schlusslicht hingegen ist die Finanzbranche: Bei den größten Banken und Versicherungen ist nur gut jeder fünfte Aufsichtsrat eine Frau.

Quote allein reicht nicht

Geht die Entwicklung im selben Tempo weiter, so dauert es noch 60 Jahre, bis in den Vorständen und Aufsichtsräten der größten Unternehmen genauso viele Frauen sitzen wie Männer. Das sei sogar noch optimistisch geschätzt, sagt Katharina Wrohlich, die die Studie mitverfasst hat: Danach haben jene Unternehmen beim Frauenanteil im Aufsichtsrat besonders zugelegt, die von einem geringen Niveau aus gestartet sind. Unternehmen jedoch mit bereits einem Drittel Frauenanteil hätten sich so gut wie nicht verbessert.

Wer also die Quote erreicht hat, kümmert sich nicht weiter um den Frauenanteil. Sie allein reiche deshalb nicht, um Frauen einen leichteren Zugang zu Führungspositionen zu ermöglichen. Dazu müsse mehr getan werden, urteilen die DIW-Forscherinnen. Sie schlagen vor, finanzielle Anreize für Männer zu schaffen, damit sie sich stärker an der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen beteiligen. Das könnte durch mehr Partnermonate beim Elterngeld geschehen oder durch die Einführung einer Familienarbeitszeit. Allerdings müssten auch die Unternehmen umdenken, so Elke Holst vom DIW.

Die Unternehmen müssten ihren Beschäftigten mehr freie Zeiteinteilung erlauben und dürften den Wunsch nach weniger Arbeitszeit nicht als Zeichen für fehlende Karriereambitionen missverstehen, so die Forscherinnen.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)

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