Do, 23.02.2012 | 03:19 Uhr
Motoren werden überprüft, Autoräder abgeschraubt - typische Werkstattgeräusche, mit denen Carola Zarth aufgewachsen ist. Denn sie leitet den Kfz-Betrieb in Charlottenburg bereits in der dritten Generation. 1930 gründete ihr Großvater Frank Holtz das Unternehmen Auto-Elektrik Holtz. Seit den 50er Jahren ist der Betrieb hier in der Dovestraße. Carola Zarth steht stolz in ihrer traditionsreichen Werkstatt:
Für mich ist das ein ganz tolles Gefühl, deswegen haben wir uns auch entschlossen, dass wir hier alle fünf Jahre kräftig mit Kunden und Mitarbeitern feiern - das letzte Mal war es das 80-jährige Jubiläum im Jahr 2010, und ich denke, im Jahr 2015 werden wir mit feiern wieder gut dabei sein.
Im Familienbetrieb arbeiten zusammen mit der Chefin sieben Mitarbeiter. Vielleicht ergibt sich aus ihrem treuen Mitarbeiterkreis später mal ein Nachfolger für den Betrieb. Denn ihre Tochter wird nicht in diese Richtung gehen. Carola Zarth findet, dass Tradition nicht zwangsmäßig fortgeführt werden muss:
Man soll ja als Kind nicht die Träume seiner Eltern träumen. Bei mir ist es ein großer Zufall, dass mein Vater diesen Betrieb sehr gerne geführt hat und ich den übernommen habe, aber jeder sollte seinen eigenen Lebensweg gehen. Ich bin mit meinem Weg zufrieden, aber ich erwarte nicht von meiner Tochter, dass sie den gleichen Weg einschlägt.
Anders als ihr Vater, der Kfz-Meister war, wollte sie nie auch unter dem Auto arbeiten. Die 46-Jährige ist gelernte Kraftfahrzeugsbetriebswirtin und wollte die Werkstatt schon immer hauptsächlich leiten. Carola Zarth glaubt, dass Frauen anders führen als Männer. Wobei jeder Chef einen eigenen Führungsstil hat. Ihre Philosophie beschreibt sie so:
Wir arbeiten zusammen - aber einer muss eben das Sagen haben, und das bin in dem Fall ich, aber ich denke, dass alle wissen, dass ich sehr offen bin gegenüber Vorschlägen, und dass es mehr eine Art der Zusammenarbeit ist und nicht ein Ordern von oben nach unten.
2010 ist der Betrieb beim Wettbewerb "Unternehmen für Familie" mit einem Sonderpreis als familienfreundlich ausgezeichnet worden. Eigens ein Kinderzimmer hatte Carola Zarth in der Werkstatt eingerichtet. Grund dafür war sie selbst:
Ich habe schon vier Wochen nach der Geburt wieder angefangen zu arbeiten und hatte meine Tochter bis sie in den Kindergarten gegangen ist immer hier im Betrieb mitgehabt, und wir hatten immer wieder Situationen, wo wir den Mitarbeitern angeboten haben, die Kinder mit hierher zu bringen.
Heute wird das Kinderzimmer aber eher als Aufenthaltsraum genutzt, denn das jüngste Kind im Mitarbeiterkreis ist mittlerweile sechs Jahre alt. Auch flexiblere Arbeitszeiten hat Carola Zarth Mitarbeitern mit Kindern schon ermöglicht. Ein Weg findet sich immer, sagt die 46-Jährige. Und das ist auch gut für das Arbeitsklima:
... weil dann die Mitarbeiter auf jeden Fall viel entspannter sind und dann ihrerseits wieder bereit sind, ins Unternehmen entsprechend etwas einzubringen - das ist immer ein Geben und Nehmen.
Neben ihrem eigenen Unternehmen setzt sich Carola Zarth auch dafür ein, Frauen im Unternehmertum zu stärken. Anfang der 90er Jahre gründete sie den Berliner Landesverband Unternehmerfrauen im Handwerk. Heute ist sie dessen Ehrenvorsitzende.
Ein Beitrag von Sara Waldau