Der Winterpalast (Eremitage) in St. Petersburg (Russland) ist am 25.10.2017 anlässlich der bevorstehenden Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution rot illuminiert.
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- 100 Jahre Oktoberrevolution - und keine Aufarbeitung

Vor 100 Jahren fand in Russland die Oktoberrevolution statt - ein Ereignis, das ganz Europa in seinen Grundfesten erschütterte. Die Zarenfamilie wurde ermordet, und die Kommunisten übernahmen die Macht. Für Millionen von Menschen änderte sich damals das Leben von Grund auf: Wirtschaft, Gesellschaft, Lebensumstände - nichts blieb, wie es zuvor für Hunderte von Jahren gewesen war. Was ist heute noch geblieben von dieser dramatischen Umwälzung - und wie steht das heutige Russland zu den Ereignissen von 1917?

Eine Straßenumfrage habe ergeben, dass Jugendliche gar nicht mehr so genau wüssten, worum es damals überhaupt ging. Bei den Älteren gebe es unterschiedliche Ansichten - die einen sehen in der Revolution einen Akt der Befreiung. Andere hingegen trauern der Zarenzeit hinterher.

Die offizielle Führung tue sich "sehr schwer", mit der Erinnerung an das Ereignis umzugehen - weil die Gesellschaft in dieser Frage gespalten ist. Viele sehen nur die positiven Eigenschaften der Sowjetherrschaft, etwa der Sieg über die Naziherrschaft in Deutschland. Oder es wird hervorgehoben, dass die Sowjetunion den ersten Sputnik und den ersten Menschen ins All geschickt hat. In diesem Meinungs-Wirrwarr positioniert sich die russische Regierung nicht eindeutig: "Sie klaubt nur heraus, was ihr dient, um ihre Macht zu demonstrieren".

Entscheidend sei, dass keine einzige Regierung seit dem Ende der Sowjetunion versucht hat, die Geschichte aufzuarbeiten. Keiner hat sich je dazu geäußert oder Stellung dazu bezogen, wie sie eigentlich mit den Gräueltaten ihrer Vorgänger umgehen. "Und dadurch, dass das nicht stattfindet und andererseits sich die Älteren noch an die Verbrechen der Stalinzeit erinnern und mit ihrem Schicksal alleine umgehen müssen, ist man zum einen anfällig für Stimmungen. Zum anderen kann das russische Volk nicht erwachsen werden und diese Traumatisierungen auch nicht heilen. Dadurch kann auch keine Identität entstehen."

Was ist geblieben von den über sieben Jahrzehnten kommunistischer Herrschaft in Russland? Viele Traumatisierungen bei den Menschen - nachzulesen etwa in dem Buch "Second Hand Zeit" von Swetlana Alexejewna Gannuschkina. Vieles davon mag in der russischen Mentalität begründet sein, die Dinge so zu nehmen wie sie sind - "zu improvisieren und zu hoffen, dass es irgendwann besser wird."

Weder in der Zaren- noch in der Sowjetzeit konnten die Menschen erfahren was es bedeutet, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und damit erfolgreich zu sein. Das hat die Russen sehr stark geprägt.  

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Feierliche Eröffnung des II. Kongresses der Komintern, Isaak I. Brodski (1883-1939), Sowjetunion, 1924
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DHM-Ausstellung "100 Jahre Russische Revolution"

Vor genau 100 Jahren führten die Ereignisse in Russland zum Sturz des Zaren. Am 7. November - nach neuem Kalender - kam es zum bewaffneten Aufstand von bolschewistischen Truppen, der später zur großen sozialistischen Oktoberrevolution verklärt wurde. Das Deutsche Historische Museum widmet sich in seiner Sonderausstellung "1917. Revolution. Russland und Europa" diesen Ereignissen.

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