In einem kleinen IDP-Camp auf einem Feld bei Snuny (Nord-Irak), haben sich Jesiden nieder gelassen, die vor dem IS gelohen waren und nun wieder von einer nächsten Auseinandersertzung direkt in ihrer Nachbarschaft bedroht sind: Die Kämpfer ziwschen den Peshmergan und der PKK nahen YBS.
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- Verschleppt, ermordet, vergessen - Jesiden im Nordirak

Der Höhenzug Sinjar im Nordirak war ein Hauptsiedlungsgebiet der Jesiden, einer der vielen religiösen Minderheiten im Irak. Hunderttausende flohen vor dem IS in das irakisch-kurdische Autonomiegebiet. Obwohl Kurden das Sinjar-Gebirge bereits im November vor zwei Jahren wieder frei gekämpft hatten und inzwischen der IS auch aus Mossul wieder vertrieben wurde, kehren die überlebenden Jesiden nur zögernd aus den Flüchtlingslagern in die alte Heimat zurück. Die ARD-Korrespondenten Björn Blaschke und Susanne El Khafif haben die Region vor kurzem bereist und mit Betroffenen darüber gesprochen, warum das so ist.

HINTERGRUND

Der jesidische Glauben ist die Ursprungsreligion der Kurden. Er ist vor allem im Nordirak, aber auch im Iran, in der Türkei und in Syrien verbreitet. Die monotheistische Religion ist rund 4000 Jahre alt und vereint Elemente altorientalischer Religionen. Jesiden kennen keine heilige Schrift. Sie geben den Glauben mündlich weiter.

Jesiden werden oft von ihren muslimischen Landsleuten diskriminiert. Zehntausende flohen 2014, als die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) große Gebiete im Nordirak überrannte. Während der IS die meisten jesidischen Männer wohl tötete, verkauften die Extremisten die Frauen als Sklavinnen.

Der Glaubensgemeinschaft gehören weltweit rund eine Million Menschen an. Die größte Exil-Gemeinschaft gibt es in Deutschland. Nach Angaben des Zentralrats der Jesiden in Deutschland sind es bundesweit bis zu 150 000. Sie leben vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Baden-Württemberg schuf ein Projekt, um traumatisierte Frauen und Kinder aufzunehmen und zu behandeln. Dort sollen es nach Auskunft eines jesidischen Nachrichtenportals höchstens 10 000 Anhänger dieser Religion geben.

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