Helga Lukoschak
EAF Berlin / Birte Zellentin
Bild: EAF Berlin / Birte Zellentin

- Warum die neue politische Männlichkeit ein Problem ist

Der neue Bundestag ist der männlichste seit 20 Jahren: Nicht einmal mehr jedes dritte Parlamentsmitglied ist weiblich. Gleichzeitig feiern weltweit Politiker Erfolge, die bewusst auf ein patriarchalisches Weltbild setzen. Wie ist es dazu gekommen - und warum ist das schlecht für die Demokratie? Darüber spricht Samuel Jackisch im Vis à vis mit der Politologin  Dr. Helga Lukoschat, die die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft leitet.

Wenn in der kommenden Woche der Deutsche Bundestag zur Sitzungswoche zusammenkommt, dann werden im Saal so wenige Frauen dabei sein, wie seit 20 Jahren nicht mehr. Auf etwas über 30 Prozent ist der Frauenanteil im 19. Bundestag gesunken. Das sind weniger, als zum Beispiel in Tunesien im Parlament sitzen. Männerdomänen sind vor allem AfD und FDP, aber auch die Union hat ihr freiwilliges Quorum von wenigstens 30 Prozent Frauen wieder einmal verfehlt.

Der Grund sei eine "neue alte Männlichkeit" in der Politik, und die ist gefährlich für unsere Demokratie - das sagt Dr. Helga Lukoschat. Die Politologin leitet die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF). Zwar steht seit 70 Jahren im Grundgesetz, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind, aber: "Das eine ist das Gesetz, das andere ist die Wirklichkeit." Und die sieht so aus, dass unsere Gesellschaft von einer tatsächlichen Gleichberechtigung noch ein Stück entfernt ist.

"Frauen sind mit einiger Verspätung in die Politik gekommen"

"Das mag einige erstaunen", so Lukoschat, "weil wir schon seit vielen Jahren eine Bundeskanzlerin haben, viele Frauen in der Politik sichtbar sind. Aber es ist eben überhaupt nicht so, dass Frauen in den Parlamenten gleichberechtigt vertreten sind."

Zusammengestellt werden die Parlamente von den Parteien – und in denen machen Frauen im schlechtesten Fall gerade mal 20 Prozent aus. "Frauen sind mit einiger Verspätung in der Politik angekommen, von daher sind diese Parteistrukturen einfach noch ganz stark männlich und von Männern geprägt", erklärt Dr. Lukoschat.

Wie sie sich den aktuellen Erfolg vieler Politiker mit einem eher rückwärtsgewandten Geschlechterbild erklärt, in welchem Spagat sich Frauen in der Politik oft bewegen müssen und was das Erfolgsgeheimnis von Angela Merkel in ihrer Außendarstellung ist, das erklärt Dr. Helga Lukoschak im Vis à vis mit Samuel Jackisch.

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