Russisches Briefmarkenheft, 1989 in Kuba an Touristen verkauft, mit Marken zum Thema Oktoberrevolution 1917
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- Jan Claas Behrends: Oktoberrevolution aus Historikersicht

100 Jahre Oktoberrevolution - schon in diesem Begriff schwingt der Mythos mit, den Historiker seit langem kritisch befragen. Wie etwa Jan Claas Behrends, der am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam Projektleiter ist und an der Humboldt Universität lehrt. Im Frühjahr gab er den Band "100 Jahre Roter Oktober" mit heraus, der die verschiedenen Deutungen der Ereignisse im Jahr 1917 durch die Jahrzehnte unter die Lupe nahm. Mit dem Osteuropa-Historiker spricht Inforadio-Geschichtsredakteur Harald Asel.

Hintergrund: Nach der Oktoberrevolution

Außenpolitisch steht für Lenin das Ende des Weltkriegs ganz vorn. Das Deutsche Reich diktiert im März 1918 einen harten Frieden: Russland verliert 32 Prozent seines Ackerlands, 26 Prozent seines Eisenbahnnetzes, 33 Prozent seiner Fabriken und 62 Millionen Einwohner, denn Polen, die Ukraine und die baltischen Staaten werden unabhängig. Finnland war schon zuvor selbstständig geworden.

Aber trotz des Friedens sitzen die Kommunisten noch nicht fest im Sattel. Der Erste Weltkrieg geht in Russland nahezu nahtlos in einen Bürgerkrieg über. "Rote" und "Weiße" stehen sich gegenüber - Kommunisten gegen eine heterogene Koalition aus Reaktionären, Monarchisten, Liberalen und Sozialdemokraten.

Beide Seiten wenden massiv Terror an. Die Tscheka, die im Dezember 1917 gegründete Geheimpolizei der Bolschewiki, tötet tatsächliche oder vermutete Gegner der Revolution. Lenin lässt auch den ehemaligen Zaren samt seiner Familie erschießen. 1922 endet der Bürgerkrieg. Die von Lenins Vertrautem Leo Trotzki aus dem Boden gestampfte Rote Armee ist Sieger.

(Quelle: EPD)

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