HANDOUT - Der Geiger Christian Tetzlaff, undatiertes Handout.
Jeunesses Musicales/Giogia Bertazzi
Bild: Jeunesses Musicales/Giogia Bertazzi

- Christian Tetzlaff: "Entscheidend ist nicht das Alter der Geige"

Er gehört zu den ganz großen Geigern unserer Zeit: Christian Tetzlaff wird am Sonntag in seiner Geburtststadt Hamburg den Klassik-Echo für seine CD mit Brahms-Aufnahmen erhalten. Tetzlaff lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern schon seit vielen Jahren in Berlin. Dort hat ihn rbb-Kulturkorrespondentin Maria Ossowski besucht, mit ihm über seine neueste CD gesprochen, die gerade herausgekommen ist - und über seine Leidenschaft für die Musik von Johann Sebastian Bach.

Die Geige, auf der Tetzlaff spielt, wurde von Stefan-Peter Greiner in Stuttgart gebaut. Sie klingt auf der G-Saite "richtig dunkel und kräftig, fast in Richtung Cello oder Bratsche, und oben leuchtend jubilierend und sehr farbenreich". Das Alter einer Geige sei ihm dabei "vollkommen egal, ob das eine alte oder eine neue ist - ich entscheide mich nur für das Instrument, das einfach am besten klingt. (...) Ich habe das Instrument gefunden, mit dem ich alles erzählen kann, was ich möchte."

Als Geiger hat er schon viele Preise gewonnen, er gibt hunderte Konzerte im Jahr. Doch zu einem Komponisten hat er eine ganz besondere Beziehung: Johann Sebastian Bach und dessen Sonaten und Partiten. Seine erste Bach-Sonate spielte er mit 12 Jahren. "Wenn man diese Werke lange spielt, entfernt man sich mit der Zeit von Gedanken und Ideen und bekommt eine Freiheit geschenkt - etwas Spielerisches und Natürliches, was das Wichtigste ist beim Interpretieren."

Als Aufnahmeort für seine CDs wählt Tetzlaff immer den Bremer Sendesaal - "das ist ein absoluter Traum, von der Betreuung und vom Raum her, von dem warmen Gefühl, das einem der Raum gibt und der Klang."

Zu Tetzlaffs Repertoire gehören aber natürlich auch Werke von Beethoven oder Brahms - die berühmten Violinkonzerte beider Komponisten hat er hunderte Male gespielt - "aber es ist keine Wiederholung in dem Sinne. Denn die Aufgabe ist ja die, das Stück zu spielen, sondern den Inhalt zu vermitteln. Und ich habe immer andere Menschen, wo mir das dringend wichtig ist."

Der 51-jährige Tetzlaff ist sechsfacher Vater - drei Kinder sind schon groß, drei noch klein. Im Interview ist der vier-jährige Mischa dabei und spielt im Hintergrund kräftig mit Bauklötzen - wenn er nicht auch einen Kommentar zu den Fragen gibt.

Ob er ein Instrument lernt und in Papas Fußstapfen tritt? "Das wird er sicher wollen. Von meinen drei großen Kindern sind zwei klassische Musiker - aber wie es für mich selber gilt: Alles was nicht aus Lust entsteht, interessiert mich nicht. Also das Üben war immer deren Privatsache - wie viel oder wie wenig. Das hat sich da ausgezahlt, und ich werde es in jedem Fall auch mit den nächsten drei Kindern so halten: Dass nur das, was von ihnen kommt, wesentlich ist."

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Interviewsituation. Symbolbild für die Sendereihe Vis à vis [colourbox]

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