Der Grünen-Politiker Ralf Fücks
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- Ralf Fücks: Der gemeinsame Nenner von Jamaica

Union, FDP und Grüne machen sich auf den Weg nach Jamaika. Und einig sind sich alle drei Parteien bisher nur in einem: es wird kompliziert und es wird lange dauern. Besonders riskant ist das Projekt für die Grünen. Im Schleswig-Holstein läufts gut mit  Jamaika. Aber kann das auch im Bund funktionieren oder schaden Kompromisse dem grünen Profil? Andrea Müller hat darüber mit Ralf Fücks geredet.

Ralf Fücks ist ein Grüner aus den Anfangszeiten der Partei. Ein Linker, der zum Realo wurde und der als Vordenker gilt. Er war in Bremen Senator und hat danach bis zum Sommer die grüne Heinrich Böll Stiftung geleitet. Sein neuestes Projekt: ein Think-Tank namens „Zentrum Liberale Moderne“.

Als gemeinsamer Nenner für ein "Jamaica-Bündnis" fällt ihm das Stichwort "Modernisierungs-Koalition" ein, die Deutschland für die großen Veränderungen zukunftsfähig macht - Digitale Revolution zum Beispiel, aber auch die Einwanderung von Menschen aus anderen Kulturen. "Das sind alles große Veränderungen, auf die die Politik Antworten geben muss." Das könnte ein gemeinsamer Nenner dieser doch sehr unterschiedlichen Parteien sein.

Wie groß ist seine Befürchtung, dass grünes Profil in einem Bündnis mit FDP und vor allem mit der CSU verloren geht? Die Grünen würden von ihren Anhängern nicht mehr als Gesinnungs-, sondern als Gestaltungspartei empfunden, die "ihre Ziele mit Augenmaß durchsetzt". Das sei u.a. das Erfolgsrezept von Wilfried Kretschmann in Baden-Württemberg.

Sein Fazit: "Wir müssen neu definieren, was die liberale Demokratie heute auszeichnet - das ist ein Thema, an dem ich gerne weiter arbeiten würde. Wie kann man diese Offenheit für Veränderungen in Einklang bringen mit der nötigen Grundsicherheit für Menschen, damit sie sich einlassen können auf diesen Wandel"?

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