Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden
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- Antisemitismus: "Eine Entwicklung, die mir Sorgen macht"

Die jüdischen Gemeinden in Deutschland sind in Sorge, denn der Antisemitismus im Land wächst: Die Zahl antisemitischer und antiisraelischer Delikte steigt an. Im ersten Halbjahr 2017 wurden insgesamt 681 Delikte erfasst - 27 mehr als im Vergleichs-Zeitraum des Vorjahrs. Welche Rolle seiner Meinung nach der Einzug der AfD in den Bundestag spielt und welche Reaktionen er sich von den christlichen Kirchen wünscht, darüber spricht Ulrike Bieritz aus der rbb-Religionsredaktion mit Josef Schuster, dem Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

"Wir haben eine Entwicklung in der Gesellschaft, die mir Sorgen macht" sagt Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Und damit meint er die zunehmende Anzahl von antisemitischen Angriffen und den Umstand, dass offener Antisemitismus kein Tabu mehr zu sein scheint.

Schuster sieht einen klaren Zusammenhang zwischen der zunehmenden Judenfeindlichkeit in Deutschland und dem Erfolg der AfD: "Wenn sie mich vor zehn, vor 15 Jahren gefragt hätten, ob ich mir vorstellen kann, dass eine Partei, die ja nicht nur rechtspopulistisch ist, sondern eindeutig Mandatsträger hat, die sich rechtsextremistisch geäußert haben, dass eine solche Partei Sitz und Stimme im Deutschen Bundestag bekommt, dann hätte ich mir das tatsächlich überhaupt nicht vorstellen können. Und dies macht mir ehrlich Sorge."

Nun sei es an den demokratischen Parteien, die Sorgen der Menschen, die die AfD aus Protest gewählt haben, aufzufangen, ernst zu nehmen und ins politische Handeln mit einzubeziehen. Das sei eine Aufgabe aller gesellschaftlichen Gruppierungen und Strukturen, auch der Kirchen hätten hier eine große Möglichkeit des Einflusses. Deswegen wünscht er sich ein Zusammenrücken der Religionsgemeinschaften: "Es ist mein Wunsch an die christlichen Kirchen, dass sie genau dieses Thema jetzt aktiv aufgreifen, um hier aktiv gegen Antisemitismus zu arbeiten."

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