Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht am 24.09.2017 in Berlin in der Parteizentrale der CDU auf der Bühne.
dpa, Michael Kappeler
Bild: dpa, Michael Kappeler

- Bundestagswahl - Die Analyse

Die Regierungsparteien abgestraft, die AfD drittstärkste Kraft, gefolgt von der wieder-erstarkten FDP, Linke und Grüne auf den letzten beiden Plätzen - so haben die Deutschen gestern gewählt. Die SPD will keine Große Koalition mehr eingehen, bleibt also nur noch ein Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen, und das zu schmieden dürfte schwer werden. Wo stehen wir also am Tag nach der Bundestagswahl? Das erörtert unsere Korrespondentin im Hauptstadtstudio Angela Ulrich im Gespräch mit Oliver Rehlinger.

Hintergrund

Parteienvielfalt im Bundestag

Weil auch die FDP und die Alternative für Deutschland (AfD) die Sperrklausel überwunden haben, ziehen nunmehr sieben Parteien in das neue Parlament ein. Zuletzt gab es das 1953. Ein Blick in die Geschichte des Bundestags:

Von 1949 bis 1953
hatten elf Parteien Sitz und Stimme im Bonner Bundestag - bis heute Rekord. Die seit jeher in einer Fraktionsgemeinschaft verbundenen CDU und CSU sind eigenständige Organisationen.

Von 1990 bis 2013
waren sechs politische Farben im Parlament vertreten:
CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne und Linke.
Die Linke kam allerdings 2002 als PDS nur mit zwei Direktmandaten in den Berliner Reichstag. Nach dem Wahldesaster der FDP 2013 reduzierte sich die Zahl der Parteien auf fünf.

Mit dem Einzug der Grünen 1983 war die Zahl der Parteien von vier auf fünf gestiegen.

Von 1961 an
waren CDU, CSU, SPD und FDP mehr als 20 Jahre "unter sich" gewesen.

1953
hatte sich die Zahl der Parteien von elf auf sieben reduziert.
Vier Jahre später waren es nur noch fünf.

Quelle: dpa

Hintergrund

Kein Bundestags-Wahlrecht für Berliner im geteilten Deutschland

Erst seit 1990 haben Berliner eine Stimme bei Bundestagswahlen. Auch im West-Teil der Stadt durften sich die Bewohner bis zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung nicht direkt an den Wahlen beteiligen.

Da Berlin im sogenannten Viermächte-Status von den Besatzungsmächten verwaltet wurde, durfte West-Berlin nicht von der damaligen Hauptstadt Bonn aus regiert werden. Stattdessen entsandte das Berliner Abgeordnetenhaus die sogenannten Berliner Abgeordneten in den Bundestag.
Diese durften dort zwar reden und mitwirken, hatten aber bei Schlussabstimmungen über Bundesgesetze und der Wahl des Bundeskanzlers kein Stimmrecht. Gesetze des Bundes mussten vom Abgeordnetenhaus in eigener Abstimmung übernommen werden.

Im Ostteil der Stadt, der nach dem Krieg sowjetische Besatzungszone wurde, durfte ab 1979 das Wahlrecht für die DDR-Volkskammer ausgeübt werden.
Allerdings gelten erst die Volkskammerwahlen nach dem Fall der Mauer als freie Wahlen. Sie waren - im März 1990 - zugleich die letzten. Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik bei. Zwei Monate später wurde der erste gemeinsame Bundestag gewählt.

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  • Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen seit 1990 in Berlin

    Bei den Bundestagswahlen seit 1990 wurden in Berlin folgende Wahlbeteiligungen ermittelt:
    Quelle:
    Bundeswahlleiter, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

  • 1990

    80,6 Prozent

  • 1994

    78,6 Prozent

  • 1998

    81,1 Prozent

  • 2002

    77,6 Prozent

  • 2005

    77,4 Prozent

  • 2009

    70,9 Prozent

  • 2013

    72,5 Prozent

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Hintergründe, Meinungen und Analysen im Dialog: Hier kommen Menschen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu Wort.