Anne Mailliet (Deutschland-Korrespondentin des internationalen Senders France 24)
imago/Müller-Stauffenberg
Bild: imago/Müller-Stauffenberg

- Wahlkampf: "So viel Diskrepanz wie nie zuvor"

Der Bundestagswahlkampf hat unser Programm in den vergangenen Wochen geprägt. Wir haben über die neue Lautstärke berichtet, wenn Spitzenpolitiker auf Marktplätzen niedergebrüllt wurden. Oder ob Fernsehduelle spannend oder langweilig waren. Welche Themen wichtig waren - und welche leider nicht. Auch Anne Mailliet hat das gemacht. Sie beobachtet die Berliner Politik für den französischen Fernseh-Nachrichtensender France 24. Über ihre Eindrücke spricht sie mit Martin Mair aus unserem Hauptstadtstudio.

Anne Mailliet kann schon auf insgesamt vier Bundestagswahlkämpfe zurückblicken, die sie für französische Medien in Berlin mitverfolgt hat. Doch das, was sich in Deutschland in den vergangenen Monaten abgespielt hat, wird ihr in besonders intensiver Erinnerung bleiben - in besonders negativer Erinnerung: "Ich denke da besonders an den Hass in den ostdeutschen Bundesländern. Am meisten überrascht hat mich die Diskrepanz zwischen dem wütenden und dem zufriedenen Deutschland. Das habe ich so in dieser Form noch nie gesehen", bemerkt die Französin.

Langweilige Politiker kontra gesprächsbedürftige Wähler

Doch so brisant und lautstark, wie es auch auf so manchen Marktplätzen der Republik hergegangen sein mag: in politischer Hinsicht erlebte Mailliet einen drögen, ja langweiligen Wahlkampf: "Man hat gemerkt, dass einige Parteien um eine Koaltion mit Angela Merkel buhlen", sagt sie. Aber: "Das, was in Deutschland passiert, finde ich sehr interessant. Alle  wollen über verschiedene Themen reden, ob nun über Flüchtlingspolitik oder die Rente – es gibt einen großen Bedarf an Debatte. Aber ich habe das Gefühl, dass manche Kandidaten einige Themen gar nicht genannt haben, die die Deutsche auch interessieren."

"Die AfD auszuschließen wäre fatal"

Die Partei, die über Deutschlands Grenzen hinaus für Aufmerksamkeit und auch Besorgnis sorgt, ist für Anne Mailliet die AfD: "Wir dachten, in Deutschland sind solche nationalistischen Strömungen nicht mehr möglich. Man kann das mit der Flüchtlingskrise erklären. Aber man denkt eben immer, die Deutschen hätten mehr Schutzmechanismen gegen solche Parteien als wir Franzosen. Wir beobachten das mit Sorge. Die AfD wird für uns ein sehr wichtiges Thema sein, auch nach der Wahl", meint Mailliet.  

Den Deutschen rät sie, im Umgang mit der AfD nicht den gleichen Fehler zu machen wie die Franzosen mit Front-National-Gründer Jean-Marie Le Pen: "Den hat man konsequent ausgeschlossen und nur eingeladen, wenn man ein bisschen Show haben wollte, das war fatal. Man muss sich mit diesen Leuten unterhalten, auch um ihre Argumentation bloßzustellen. Denn meistens haben sie ja nur Parolen – und keine Argumente."

Zur Sendungs-Übersicht

Interviewsituation. Symbolbild für die Sendereihe Vis à vis [colourbox]

Vis à vis

Hintergründe, Meinungen und Analysen im Dialog: Hier kommen Menschen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu Wort.