ARCHIV: DGB-Chef Reiner Hoffmann bei der Diskussionsveranstaltung "Gemeinsam für gelebte Demokratie", Köln, 04. Mai 2017
Bild: imago/Sven Simon/Malte Ossowski

- Wahl 2017: Die Forderungen des DGB

Noch knapp zwei Wochen, dann haben die Bundesbürger die Chancen, bei der Bundestagswahl die Weichen für die Politik neu zu stellen. Doch viele Wähler sind noch unentschlossen. Aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) sind vor allem die Themen Arbeit, Bildung und Rente wichtig. Was die nächste Bundesregierung in diesem Bereich anpacken sollte, darüber sprach Hauptstadtstudio-Korrespondentin Cecilia Reible mit DGB-Chef Reiner Hoffmann.

Insgesamt stellt Hoffmann der Großen Koalition ein befriedigendes Zeugnis aus: die Einführung des Mindestlohns, die Rente mit 63 bei 45 Versicherungsjahren, Verbesserung bei der Bekämpfung des Missbrauchs von Leiharbeit und Werkverträgen, ferner eine breitere betriebliche Altersvorsorge - all das seien "Erfolge, die z.T. auch zurückgehen auf die Anforderungen der Gewerkschaften, die wir deutlich gemacht haben".

Hoffmann kritisierte indessen auch, dass einige Punkte aus dem Koalitionsvertrag zwar vereinbart waren, aber in der Zielgeraden - "auf Druck der Arbeitgeberseite" - nicht erreicht worden seien: Das Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit etwa. Gerade bei der Frage einer Vereinbarkeit von Beruf und Familie würden flexiblere Arbeitszeit-Modelle gebraucht, die die Arbeitszeitwünsche der Beschäftigten stärker in den Mittelpunkt stellen. "Gerade jungen Menschen ist die Arbeitszeitfrage oft wichtiger als eine vierprozentige Lohnerhöhung."

Als Forderung an eine künftige Regierung nannte Hoffmann zu nächst, die Tarifbindung in Deutschland wieder zu erhöhen: "Nur noch rund 52% aller Beschäftigten in Deutschland fallen unter den Schutz von Tarifverträgen." Dies führe dazu, dass Menschen bis zu 30% weniger verdienen, länger arbeiten müssen und weniger Urlaub haben. Die Erhöhung der Tarifbindung sei daher eines der wichtigsten Ziele, zu dem auch die Politik beitragen müsse - "beispielsweise, in dem man die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen wieder deutlich erhöht".

Einer Forderung nach einer 30-Stunden-Woche, wie sie LINKEN-Chef Riexinger erhebt, erteilte Hoffmann indessen eine Absage: diese entspreche nicht dem Diskussionsstand der Gewerkschaften. So habe die IG Metall in einer Umfrage festgestellt, "dass die Arbeitszeitfrage durchaus relvant ist. Aber nicht in einer Engführung, dass wir nur auf die Wochenarbeitszeit und dafür viel stärker auf die Lebensarbeitszeit gucken - dass Menschen vor dem Hintergrund ihrer Lebensphasen unterschiedliche Ansprüche haben, mal mehr und mal weniger zu arbeiten. (...) Wir brauchen mehr 'atmende Arbeitszeitkonzepte', die den Menschen die Möglichkeit gibt, mehr selbstbestimmt über Lage und Dauer der Arbeitszeit zu entscheiden."

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