Prof. Dr. Ortwin Renn, Wissenschaftlicher Direktor IASS Potsdam (Bild: Peter-Paul Weiler/berlin-event-foto)

- Ortwin Renn: Das Risikoparadox

"Wir fürchten uns vor dem Falschen" - behauptet der Risikoforscher Ortwin Renn, und: "Wir müssen das richtige Fürchten lernen". Nicht Straßenverkehr, Flüchtlinge, Mord oder Terrorgefahr seien die wesentlichen Gefahren, denen die Menschen in Deutschland ausgesetzt sind, sondern Rauchen, Alkohol, falsche Ernährung und mangelnde Bewegung. Diese Risiken sind die Ursachen für die meisten Todesfälle. Thomas Prinzler hat mit dem neuen wissenschaftlichen Direktor des Potsdamer Instituts für Nachhaltigkeitsforschung IASS gesprochen - über weltweite und alltägliche Risiken.

"Angst ist Natur aus ein wichtiger Indikator dafür, wie man mit Gefahren umgehen kann", sagt Ortwin Renn. Auch bei vielen Menschen heute noch vorhandene Ängste hätten ihre Ursache im Laufe der Evolution ausgebildet - und zwar nicht selten in Kombination mit einem anschließend auftretenden Glücksgefühl. 

Vor allem in Situationen, in denen hohe Unsicherheit herrsche oder man seine Umgebung nicht selbst kontrollieren könne und zur Einschätzung und Interpretation auf fremde Hilfen angewiesen sei, gäbe es auch die größe Angst, erklärt Renn. Das merke man nicht zuletzt an der gegenwärtigen Flüchtlingsdebatte: "Wenn dagegen der Kassierer des Kaninchenzuchtvereins 'Mohammed' heißt, gibt es kaum Fremdenangst."

Geeignete Mittel gegen Ängste könnten deshalb sein, sich selbst zu beobachten, Risiken ganz bewusst zu machen - und dadurch richtig einzuschätzen zu lernen.

Buchinfo

Ortwin Renn, Hrsg.: Klaus Wiegandt - Das Risikoparadox

Warum wir uns vor dem Falschen fürchten
608 Seiten
ISBN-13: 9783596198115
€ 14,99
Verlag: Fischer

Infos im WWW

IASS Potsdam - Prof. Dr. Ortwin Renn

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