Ein Volksempfänger (Bild: imago/United Archives International)

- Rundfunk, der Geschichte machte

In dieser Ausgabe "Umgeschichtet" geht es um einen berühmten Fall der Wissenschaftsgeschichte und um das Medium Radio. Dass der noch junge Rundfunk ein wichtiges Instrument zur Information wie der Beeinflussung vieler Menschen ist, wussten in den 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht nur die Nationalsozialisten. Auch ihre Gegner. Im Hörverlag ist gerade die Dokumentation "Geheime Sender" herausgekommen, die den Rundfunk im Widerstand gegen Hitler behandelt.

Hans Sarkowicz ist Redakteur beim Hessischen Rundfunk und hat schon viele Feature verantwortet, in denen mit Originalaufnahmen die Geschichte des Rundfunks plastisch erfahrbar wurde. Nun also "Geheime Sender". Acht Folgen, jeweils über eine Stunde lang, befassen sich mit den unterschiedlichsten Formen des Kampfes gegen den Nationalsozialismus im Äther.

Kampf gegen den Nationalsozialismus im Äther

Da finden sich die Versuche der Emigranten, die aus Prag oder Frankreich ins Reich hinein senden - und dabei oft so tun, als handele es sich um Untergrundprogramme in der Heimat.

Sarkowicz lässt anhand von autobigraphischen Zeugnissen und Nachkriegs-Interviews die schwierigen Bedingungen ahnen, unter denen Programm gemacht wurde. Erhalten ist kaum etwas von dem, was damals ausgestrahlt wurde, manchmal nur, weil Staatsorgane die Sendungen auf Schellack oder Draht mitschnitten.

Eine wesentliche Rolle kam - spätestens mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges - den deutschsprachigen Sendungen der Alliierten zu. Hatte der deutschsprachige Dienst von Radio Moskau zunächst alle Windungen der sowjetischen Politik brav mitvollzogen und somit an Glaubwürdigkeit verloren, setzten nach 1941 vor allem spezifische Sender für Jugendliche oder Soldaten, auf persönliche Ansprache. Wie 1942 im Fall der ehemaligen Reichstagsabgeordenten der KPD, Martha Arendsee. Sie gehörte anschließend auch zu den Gründern des Nationalkommitees Freies Deutschland, ein programmatischer Zusammenschluss von Emigranten und Kriegsgefangenen in der Sowjetunion. Allerdings war auch Martha Arendsee dem Druck des stalinistischen Terrors ausgesetzt, ihr Mann jahrelang inhaftiert.

Würdigung vergessener Akteure radiophonen Widerstands

Eine vielleicht wirkungsvollere, weil ausgesprochen verstörende Radioaktion, war das Einblenden in deutsche Programme. Die besondere Qualität der Arbeit, die hinter dieser Präsentation "Geheime Sender" steckt, besteht in der Neubewertung der Überlieferung. Was sich in Zeiten heutiger Smartphones kaum noch ermessen lässt, ist, wie selektiv und vor allem machtnah dasjenige ist, was sich erhalten hat. Um so erstaunlicher, dass in den Tiefen des Deutschen Rundfunkarchivs viele Schätze lagern, die seit Jahren kontinuierlich gehoben werden. Einfacher ist die Überlieferungslage etwa bei Programmen der BBC. Sie holte sich als Kommentator den im Exil lebenden Literaturnobelpreisträger Thomas Mann, dessen Texte an die "Deutschen Hörer" zunächst nur verlesen wurden, ehe er 1942 selbst ans Mikrophon trat. Mann wandete sich an das Bildungsbürgertum, so wie auch die Enkelin von Richard Wagner, Friedelind, die zum 59. Todestag des Komponisten sprach.

Die Dokumentation "Geheime Sender" ist vor allem eine Würdigung all der vergessenen Akteure des radiophonen Widerstandes, etwa von Sefton Delmer, der den Geheimsender Gustav Siegfried Eins entwarf. Zuvor schon war Sefton Delmer als scharfzüngiger Kommentator im deutschen Dienst der BBC aufgetreten. Er antwortete dabei aktuell auf die im Reichsrundfunk wöchentlich ausgestrahlte Sendung "Hier spricht Hans Fritzsche", einem der mächtigsten Männer im Propagandaministerium. 

In den USA gab es eine große Anzahl von deutschstämmigen Einwohnern. Diese gegen die nationalsozialistische Propagandas immun zu machen - und sie vor den möglichen Verdächtigungen der übrigen Einwohner zu schützen, diente die Parole "We fight back". Eingeleitet von Marschmusik.

Galileo Galilei - eine Spurensuche in Rom

Am 8. Januar 1642 , vor 375 Jahren, starb bei Florenz der Astronom Galileo Galilei. Das Datum folgt übrigens dem gregorianischen Kalender, der auf Initiative von Papst Gregor XIII. eingeführt wurde, aber in weiten Teilen Europas noch nicht galt. In reformierten Staaten z.B., im Heiligen Römischen  Reich deutscher Nation übernahmen die protestantischen Reichsstände diem Regelung erst im Jahr 1700, in England und Schottland dauerte es gar bis  1752. In dieser Hinsicht modernisierte sich die katholische Kirche dank ihrer hervoragenden Astronomen recht früh: 1582 bei Einführung, war der junge Galilei gerade mal keine 18 Jahre alt und studierte gerade Medizin in Pisa. ARD-Korrespondent Jan-Christoph Kitzler begibt sich auf die Spurensuche des berühmten Mannes.

Sendung

Historische Zeichnung, 19. Jahrhundert, Revolte in einer fränkischen Stadt im 12. Jahrhundert (Bild: imago)

Umgeschichtet

Anhand von Reportagen, Gesprächen und Debatten widmet sich das Magazin dem Spannungsfeld zwischen gestern und heute. Umgeschichtet sucht nach dem Wirken von Strukturen, Institutionen und Weltanschauungen, will Vergangenes sinnlich erfahrbar machen und Denkanstöße geben. Außerdem: Veranstaltungs- und Lesetipps.