Komponist Klaus Wüsthoff am Flügel (Bild: Blackbird Music)

- Der singende und swingende Komponist der Zillerevue

Von der Zillerevue, über Schlager bis zu großangelegter Orchestermusik oder der Melodie der ZDF-Heute-Nachrichten - das Werk von Klaus Wüsthoff ist so vielfältig wie sein Leben. Der inzwischen 94 Jahre alte Komponist, Musiker und Sänger ist umtriebig wie eh und je. Im Frühjahr erschien eine CD mit Evergreens der 20er bis 50er Jahre über die Liebe - die Schlager hat er selbst eingesungen. Und auch auf die Bühne zieht es ihn immer wieder.

"Ich habe so eine lange Vergangenheit von fast 100 Jahren und bin noch ein Lebender, der erzählen kann" - eine Begegnung mit Klaus Wüsthoff ist etwas Besonderes. Der Berliner Komponist der leichten Muse ist inzwischen 94 Jahre alt, Jahrgang 1922. Von der erfolgreichen Zillerevue bis zu großangelegter Orchestermusik, vvon der Titel-Melodie der Heute-Nachrichten bis zur Werbemusik, von Chansons bis Projekten für Kinder - er hat vieles komponiert, was ins Ohr geht. Und von Ruhestand ist er noch immer weit entfernt.

Im Frühjahr kam die CD "Über die Liebe - Schlager zum Mitsingen" heraus. Mit Evergreens von den 20ern bis zu den 50er Jahren von Werner Richard Heymann, Franz Grothe, Werner Bochmann und anderen. Arrangiert für Klavier, Gitarre und Kontrabass. Und Ehrensache, dass Klaus Wüsthoff die Ohrwürmer selbst eingesungen hat. Auch die Bühne zieht ihn nach wie vor magisch an. Die Premiere im Berliner Club-A-Trane war umjubelt. Wüsthoff liebt es, sein Publikum zum Mitsingen zu animieren. Mit seinem Swing-Trio ist er immer wieder live zu erleben.

Von Charelston, Swing und Rhythmus

Ein Gespräch über die Begegnung mit amerikanischer Musik nach dem Zweiten Weltkrieg, wie es in existentiellen Situationen hilft, Melodien und Texte von vertrauten Liedern parat zu haben und vor allem: wie man auch im hohen Alter gute Einfälle haben kann. Klaus Wüsthoff hilft Flüchtlingen mit seinen Liedern beim Deutschlernen, spielt vor Senioren, die trotz Demenz die alten Melodien erkennen und mitsingen.  

Über die amerikanische Austauschschülerin seiner Schwester lernte er Jazz-Platten von Tommy Dorsey, Louis Armstrong und anderen kennen. Eine Bereicherung für ihn und seine Freunde. "Da haben wir uns drauf gestürzt", erzählt er. "Ich habe das Feeling dafür gekriegt. Deswegen kann ich mit meinem Trio die Tanzmusik im Swing spielen."

Der Charleston eroberte in den 20er Jahren die Tanzflächen, der Swing belebte die Musik und der Rhythmus riß die Tanzenden mit.

Wüsthoff liebt die deutsche Sprache. Die alten Volkslieder hätten einen wiegenden Takt. Das sei das "deutsche Gemüt". Nach dem Zweiten Weltkrieg sei ein "Tsunami des Rhythmus" durch die Musik gefegt. Der Samba der Südamerikaner habe sich durchgesetzt. Man mag ihm lange lauschen, wenn er aus seinem Leben erzählt, neue Melodien erfindet und das melodische Denken mit einem Würfel vergleicht.

Sendung

Historische Zeichnung, 19. Jahrhundert, Revolte in einer fränkischen Stadt im 12. Jahrhundert (Bild: imago)

Umgeschichtet

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