Brief von Ed Schoening - Foto: rbb Inforadio/André Tonn

- Von Verstecken und Münzen

In dieser Ausgabe von Umgeschichtet geht es um Geld – genauer um eine bedeutende Münzsammlung und was sie uns erzählen kann. Wir blicken aber zunächst auf einen Zufallsfund, der uns Einiges über die Wirtschaftsgeschichte der frühen DDR und die Gründe für eine Flucht mitteilt.

Stellen Sie sich vor, sie renovieren Ihre Wohnung und finden in einer Nische technische Geräte und einen Brief ohne Unterschrift, der Sie bittet, diese Gegenstände dort zu belassen, bis sie jemand abholt. So erging es der Pankower Künstlerin Ursula Strozynski 2013. Wenn nun im Museum Pankow in der Prenzlauer Allee 227/228 eine veritable Ausstellung an die Lichtpaus- und Kopieranstalt Eduard Schoening, an die Wirtschaftspolitik der DDR, aber auch an persönliche Schicksale der Flucht vor dem Mauerbau erinnert, dann ist dies einer akribischen Recherchearbeit zu verdanken. Der Fund wird in der Mitte des Saales auf einem großen Tisch präsentiert, als handele es sich um Schliemanns Goldschatz des Priamos. Für Zeithistoriker ist im Kleinen das Ganze vielleicht wirklich so etwas.

(Bild: André Tonn)
Ursula Strozynski zeigt das Versteck

Das Interessante war zunächst die Frage, wer den Brief geschrieben hatte, erzählt Kurator Matthias Roch. Über Adressbücher und Grundbücher öffnet sich der Weg zu einem Zeitzeugen, Uwe Schoening, der Sohn des Firmenbesitzers, der als Zehnjähriger vor der Flucht 1955 beim Verstecken half. Zeitzeugen zu finden, das war ein ganz bewegender Moment, erzählt der Kurator. Uwe Schoening lebt heute im Schwarzwald. Sein Vater hatte damals ein Loch in die Wand geschlagen, erzählt er, in das er als kleiner Junge hineinsteigen sollte, der Vater gab ihm die Gegenstände an, die er im Loch verstecken sollte. Und was wurde versteckt? Eine Mindestausstattung für eine kleine Fotokopieranstalt, eine kleine Lichtpausanstalt.

Der Fund wirft Schlaglichter gleich auf mehrere Themen. Die Schoenings lebten in Niederschönhausen, zunächst im heutigen Majakowskiring, der von den Sowjets beschlagnahmt worden war, später in der Tschaikowskistraße 46 - also in einer bürgerlichen Gegend, auf die auch die Führung der SED ein Auge geworfen hatte.  

Zugleich handelt es sich um die Geschichte selbstständiger Gewerbetreibender in der frühen DDR und der Zermürbungstaktik, der sie ausgesetzt waren. Und wir lernen die Lebensläufe dreier Kindheitsfreunde kennen, mit Uwe Schoening in der Mitte, die später unabhängig voneinander in den Westen fliehen, wobei einer an der Grenze ums Leben kommt. Und wer sich Zeit nimmt, kann in Akten nachlesen, wie mit Hilfe des Steuereintreibens der Firma das Leben schwer gemacht wurde.

(Bild: Museum Pankow)
Die Fundstücke - Mindestausstattung für eine kleine Fotokopieranstalt, eine kleine Lichtpausanstalt

Für den Leiter des Museums Pankow, Bernt Roder ist ein solcher Fund schon eine Sensation im längst durchmodernisierten Berliner Norden. Das Museum wolle auf eine Familie aufmerksam machen, auf eine Facette der Nachkriegsgeschichte, die wenig dokumentiert sei.

In der einen Ecke sehen wir ein Kopiergerät aus Ostproduktion, das in Solingen aufgefunden wurde, dem Ort, an den die Schoenings 1955 flüchteten. Und das mit Teilen des Fundes übereinstimmt. Aber auch andere Objekte der Berliner Stadtgeschichte finden sich. Gleich neben dem Eingang fällt eine Hausnummer 1 auf, die mit in den Westen genommen wurde. Es ist das Schild vom Apothekerflügel des Berliner Schlosses (Lustgarten 1), das ein dort tätiger Verwandter beim Abriss gerettet hatte und das sich heute im Privatbesitz von Uwe Schoening befindet.

Bis zum 23. April 2017 ist die Ausstellung "Keiner kennt dieses Versteck. Die Flucht der Unternehmerfamilie Schoening aus der DDR" im Museum Pankow am Standort Prenzlauer Allee 227/228 zu sehen.

Ein gelungenes Beispiel, wie zunächst abstrakt scheinende politische und wirtschaftliche Prozesse regionalgeschichtlich und in persönlichen Lebensläufen verortet werden können.

Münzen voller Geschichte - Münzkabinett der Universität Uppsala

Münzen. Auch da denken wir zunächst, das wird was für spezifische Sammler oder ausgewiesene Nerds sein. Doch die Münzsammlungen der großen Museen erzählen immer mehr als nur über Münzen. Ein Beispiel kommt aus der schwedischen Universitätsstadt Uppsala. Gabor Paal führt uns hier in das Münzkabinett mit der teuren Sammlung. Ein wahrer Schatz lagert hier. Hendrik Mäkeler von der Universität ist Herr über die Münzen. Alles was Geld ist, wird hier gesammelt – aus allen Ländern der Welt. Vom Anfang der Münzprägung im 7. Jahrhundert vor Chr. bis in die Gegenwart – Münzen, Banknoten, Kreditkarten, Bitcoins. Eine Sammlung voller Geschichte.

Infos im www

Münzkabinett der Universität Uppsala

Das Münzkabinett der Universität Uppsala ist eine der bedeutendsten numismatischen Sammlungen in Schweden. Es ist zugleich eines von weltweit nur wenigen Universitätsmünzkabinetten.

Sendung

Historische Zeichnung, 19. Jahrhundert, Revolte in einer fränkischen Stadt im 12. Jahrhundert (Bild: imago)

Umgeschichtet

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