Blick in die Ausstellung Schloss.Stadt.Berlin (Bild: Stiftung Stadtmuseum Berlin/Ch. Kielmann)

- Bilder eines Schlosses

Das Humboldtforum mit seiner mächtigen Kuppel nimmt immer mehr Gestalt an. Eine gute Gelegenheit, an das historische Stadtschloss Berlins zu erinnern, das ursprünglich gar nicht in der Mitte Berlins stand. Wie hat sich Berlins Mitte verändert? Wie war die Beziehung des Schlosses zur Stadt? Ein Rundgang durch die Ausstellung "Schloss.Stadt.Berlin", die die Stiftung Stadtmuseum Berlin gerade im Ephraim-Palais zeigt.

Während das Humboldtforum derzeit in der Hülle des alten Schlosses von Andreas Schlüter heranwächst, bleiben viele Diskussionen zum Ort, zur Rolle des Gebäudes und seiner Umgebung bestehen. Bei der Suche nach Antworten werden Besucher im Stadtmuseum mit seiner neuen Ausstellung im Ephraim-Palais fündig.

"Schloss.Stadt.Berlin." heißt das Projekt, das einen neuen Blickwinkel zeigen möchte, wie Kurator Peter Schwirkmann erläutert: Unser Bild von der Lücke in der Mitte der Stadt, die geheilt werden müsse, sei wesentlich vom späten Kaiserreich geprägt. Vom Westen her, vom Brandenburger Tor ausgehend, die Prachtstraße "Unter den Linden" entlang, falle der Blick auf die mächtige Kuppel des Schlosses und sein prächtiges Westportal.

Geschichte des Schlosses beginnt in der Renaissance

Die Geschichte des Schlosses beginnt aber viel früher. Und darum geht es den Machern der Ausstellung: Das Schloss in seinem historischen Kontext zu verorten. Eigentlich stand das Berliner Schloss nicht von Anfang an im Zentrum der Stadt. Deshalb beginnt die Ausstellung mit einem Bild des Renaissanceschlosses. Erst der Große Kurfürst und die preußischen Könige rückten es vom Rand in die Mitte. Sie erweiterten das Renaissanceschloss konsequent und richteten es nach Westen aus. 

Eine Frau betrachtet am 23.11.2016 im Ephraim-Palais in Berlin nach einer Pressekonferenz zur Ausstellung "Schloss.Stadt.Berlin" ein Ölgemälde eines unbekannten Künstlers, das eine Ansicht des Berliner Stadtschlosses um 1690 zeigt. (Bild: dpa/Kumm)
So sah das Schloss in der Renaissance aus.

Wachstum durch Zuwanderung

Der Große Kurfürst kommt nach dem 30jährigen Krieg hierher und lässt planmäßig das Gebiet im Westen entwickeln, erst die barocke Stadterweiterung rückt das Gebäude ins Zentrum - und das meint es ganz wörtlich: der Bürgermeister hat nichts mehr zu sagen in Berlin und der Landesherr kümmert sich vom Glanz der Stadt bis zur Straßenbeleuchtungsverordnung um die Details.

Kurator Peter Schwirkmann (Bild: © Stadtmuseum Berlin | Foto: Michael Setzpfandt)
Kurator Peter Schwirkmann

Große Modelle begrüßen in beiden Etagen des Ephraim-Palais jeweils am Eingang die Besucher und verorten das, was dann in den weiteren Räumen nachgezeichnet wird, von der wirtschaftlichen Entwicklung zum Freizeitvergnügen, von den Kirchbauten bis zur Verfolgung von Deserteuren mit einer ganz bestimmten Harke. Was bedeutet dieses neue Herz eigentlich für die barocke Welt?

Die neuen Städte, also das, was der Stadtplan heute rund um die Friedrichstraße noch in den Straßenzügen nachzeichnet, liegen im Westen. Für wen wurden diese neuen Städte gebaut? Kurator Schwirkmann: "Man hatte einen Plan und der hieß ganz klar: Zuzug – Macht durch Wachstum und zwar durch Bevölkerungswachstum. (…) Die Friedrichstadt ist in diesem Sinne eine Planstadt für Neubürger. Dort haben wir einen Anteil von 30 Prozent Hugenotten. Später kommen noch die Böhmen als größte Gruppe hinzu."

"Von den einfachen Leuten wissen wir wenig"

Was ist noch zu sehen? Wir blicken in den Abfall der Stadt, zwischen Katzenknochen und Austernschalen, wir entdecken einen verlorenen Schuh aus dem Grabungen in den Fundamenten des Schlosses, Deformierte Zähne eines Schädels weisen auf den übermäßigen Genuss von Tabak mit Hilfe von Tonpfeifen hin - ein Hinweis auf die ärmere Bevölkerung, während ein großer Gobelinteppich die Meisterschaft der Luxusindustrie in Berlin zeigt. "Von den einfachen Leuten wissen wir wenig", räumt Kurator Schwirkmann ein. Ein Großteil der Berliner Bevölkerung musste in Frondiensten die Festungsanlagen bauen und die Soldaten stellen. Berlin wurde Garnison und der Große Kurfürst "Chef". "Die Bürgermeister spielen von dem Zeitpunkt an eine ganz untergeordnete Rolle", erläutert der Kurator. Das ändert sich erst wieder im späten 19. Jahrhundert. "Das Rote Rathaus ist der symbolische Beleg für die Änderung der Machtverhältnisse."

Paul Spies: "Eine Stadt ist ein lebendiger Körper"

Nur einige Schlaglichter sind dies zu dieser Ausstellung, in der auch erstmals wiederaufgefundene Notenblätter des Glockenspiels der Parochialkirche gezeigt werden oder in einer Installation ein Foto des reichhaltig verzierten Rittersaales im Schloss verbunden mit Filmen des Abrisses.

Was nehmen wir aus dieser Ausstellung mit für die Debatte über die zukünftigen Funktionen des Humboldt-Forums? Stadtmuseumschef Paul Spies: " Eine Stadt ist ein Körper mit einem Herz, mit Blut und Fleisch. Man kann diesen Vergleich ziehen, das macht schon Leonardo da Vinci. Wir können den Körper von Berlin zeigen, wie er in der Barock-Zeit war und oben (in der oberen Etage) können Sie sich Gedanken machen, was das eigentlich für heute heißt."

Die Baustelle des Humboldt-Forums in Berlin (Bild: imago/R. Zensen)
Das Humboldt-Forum mit Leben füllen und über das neue Berlin nachdenken

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Historische Zeichnung, 19. Jahrhundert, Revolte in einer fränkischen Stadt im 12. Jahrhundert (Bild: imago)

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