Pyrotechnik bei den Fans des 1.FC Magdeburg
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Draufgehalten, 23.10.2017 - Eine Leuchtboje der Hoffnung im Meer des Abschaums

Was Fußball-Fans betrifft, halten es viele Menschen mit Marie von Ebner-Eschenbach, von der folgender Satz stammt: "Über das Kommen mancher Leute tröstet uns nichts als die Hoffnung auf ihr Gehen." Thomas Kroh hält es in seiner Kolumne "Draufgehalten" eher mit Nietzsche, der die Hoffnung als den Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens beschrieb.

Kultivierten Zeitgenossen gilt der Fußball-Fan immer noch als das ultimativ Böse mit ohne Hirn. Ja, der Besuch im Stadion ist nichts für zart besaitete Gemüter, zumal allein schon der Weg in die moderne Gladiatoren-Arena dem "Highway to Hell" gleicht.

Klaustrophoben zum Beispiel ist es unmöglich, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Wer einmal unverhofft in einen überfüllten, Bierdunst geschwängerten Pöbeltransporter geraten ist, in dem mit Merchandising-Artikeln behängte Affenartige sich ohne Unterlass grölend in einer Art Ur-Sprache artikulieren, so dass der Ballermann im Vergleich zu diesem Verbal-Gomorra wie eine Oase der Ruhe wirkt, der weiß, was ich meine. "Uff da, Uff da, Uff da,  täteräää, tätäräää ...

Nicht zu reden von den marodierenden Horden, die sich auf ihren Reisen zu Auswärtsspielen regelmäßig in zerstörerischer Weise am Interieur allgemein zugänglicher Fuhrwerke zu schaffen machen. Und erst Recht nicht von jenen neuzeitlichen Hunnen, die bei Gewaltorgien auch nicht vor Frauen und Kindern halt machen.

Fauler Fisch aus dem Hansa-Block

Hat man es dennoch unbeschadet ins Stadion geschafft, sollten sich vor allem Menschen, die unter Feuerangst leiden, von den Blöcken der Ultras fern halten. Denn dort ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass der Nebenmann urplötzlich gar fröhlich mit einer zweitausend Grad Celsius heißen Leuchtfackel wedelt, oder eine verspätete Silvesterrakete die Frisur mit einem neuen Scheitel versieht.

Bei Auswärts-Spielen meines Lieblings-Vereins Hansa Rostock kann es auch vorkommen, dass meine herzigen Landsleute ihre Kurven-Rivalen mit dem Schlachtruf begrüßen: "Wir haben Euch was mitgebracht: Fisch, Fisch, Fisch!" Dieser Offerte lassen sie sogleich eine Kanonade aus mehrpfündigen und keineswegs fangfrischen Flossentieren folgen. Wie die Hanseaten das schleimige Gemüffel durch die Kontrollen bekommen, ist mir ein Rätsel. Wahrscheinlich denken Ordner fern der Küste, bei den Fischköppen ist der Name nicht Programm sondern Odeur, und durchsuchen deshalb nicht allzu akkurat.

Weltenbürgern dürfte es zudem unangenehm aufstoßen, dass die gegnerischen Anhänger wahlweise als asoziale Sachsen oder Ruhrpott-Kanaken tituliert werden und dass Vermummte gelegentlich mit "Adolfos" verbotenem "Föhrergrrrooooß" posieren.

Und dennoch glimmen Leuchtbojen der Hoffnung in diesem Meer des Abschaums. Als am Freitagabend Bibiana Steinhaus den Rasen "Auf Schalke" betrat, brandete ihr freundlicher Beifall entgegen: Frau Steinhaus ist die erste Schiedsrichterin in der Fußball-Bundesliga. Jeht also! Fast wie bei feine Leute!

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Hertha BSC - Olympiastadion (Bild: dpa)
dpa

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