Hellmut Krug und Herbert Fandel
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Draufgehalten, 06.11.2017 - Der DFB - ein verlogener Saftladen

Der Deutsche-Fußball-Bund hat auf den Streit unter den Schiedsrichtern reagiert: Die beiden wichtigsten Funktionäre, gegen die es schwerwiegende Vorwürfe gibt, wurden aus der Schusslinie genommen. Der Mann, der den Fall öffentlich gemacht hat, wurde gemaßregelt. Typisch DFB, meint Thomas Kroh in seiner Kolumne "Draufgehalten".

Was für ein verlogener Saftladen, diese Führungs-Etage des größten Einzelsportverbandes der Welt voller schmieriger Bücklinge und scheinheiliger Karrieristen. Da palavern sie bei jeder Gelegenheit von Transparenz, verweisen auf hehre     Compliance-Vorschriften, die ein integres Verhalten gebieten würden und sonnen sich im tugendhaften Glanze einer angeblich unabhängigen Ethik-Kommission. Und was passiert?

Da traut sich mit Manuel Gräfe einer der renommiertesten deutschen Referees endlich, endlich, gravierende Missstände öffentlich anzuprangern. Missstände, über die seit Jahren im DFB hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde. Missstände, über welche die Wochenzeitung "Die Zeit" schon vor zwei Jahren schrieb "... Aus Verbands-Kreisen höre man, das Schiedsrichterwesen sei von Gehorsam und Günstlingswirtschaft geprägt. Die jetzt beschuldigten Spitzen-Funktionäre Herbert Fandel und Hellmut Krug beförderten nach Sympathie, hätten kein Mitgefühl und sicherten ihre Macht, indem sie Schiris zu Duckmäusern machten.

Der ehemalige Chef des Schiedsrichter-Ausschusses Volker Roth sagte damals "Der Zeit" über seine Nachfolger - ich zitiere: "Die Ignoranz, mit der mit menschlichen Schicksalen umgegangen wird, ist bemerkenswert." Längst hat mit Felix Brych ein zweiter hoch angesehener Schiedsrichter Gräfes Vorwürfe bestätigt.

Und was erlaubt sich die Heilige DFB-Dreifaltigkeit aus Transparenz, Compliance und Ethik? Anstatt die selbstherrlichen Heinis zu feuern, beschnippelt sie ein wenig die Kompetenzen des Duos "Katastrophale" und verkauft das als brutalst mögliche Aufklärung. Krug darf jedoch weiter das Projekt "Video-Assistent" leiten und Fandel die Bundesliga-Schiedsrichter coachen.    

Maulkorb für den Mahner

Manuel Gräfe hingegen, der Berliner, der dieses heuchlerische System angeprangert hat, der verliert seinen Job, wenn er noch einmal den Mund aufmacht. Der DFB würde die Drohung natürlich niemals so plump ausdrücken, sondern ummantelt seinen Maulkorb-Erlass mit folgenden Worten. Ich zitiere: "Gräfe darf sich nicht mehr unabgestimmt in der Öffentlichkeit äußern. Andernfalls wird er nicht mehr als Schiedsrichter in der Bundesliga eingesetzt.“

Nicht mehr unabgestimmt äußern. Ich lach mir nen Ast. Das bedeutet nichts anderes als: "Halt die Klappe, oder Du fliegst achtkantig raus und kannst zu Hause in der Kreisliga C FC Polonia gegen Capri 76 pfeifen." - Ach so, hätte ich fast vergessen: Gräfe wird ab sofort nicht mehr als Video-Assistent eingesetzt.

Manchmal verstehe ich die Ultras, die einen solchen Saftladen als Fußball-Mafia brandmarken!

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Hertha BSC - Olympiastadion (Bild: dpa)
dpa

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