Stuttgarter und Kölner Spieler bedrängen Schiedsrichter Cortus
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Draufgehalten, 16.10.2017 - Das asoziale Verhalten der Herren Profis

Der Videobeweis sorgt in der Fußball-Bundesliga als nicht versiegender Quell verwirrender Entscheidungen weiterhin für heftigen Streit. Thomas Kroh hat sich des leidigen Themas in seiner Kolumne "Draufgehalten" noch einmal angenommen. Allerdings geht es ihm nicht um eine richtige Analyse des Bild-Materials, sondern um das Verhalten der Spieler, wenn der Schiedsrichter anzeigt: Ick zieh mir jetze ma’n Video rein.

Freitagabend, Stuuuuuttgart: Weil der VfB spielt, sind die Bürgersteige noch nicht hochgeklappt wie gewöhnlich. Und in der Mercedes-Benz-Arena brennt noch Licht, zum Ärger des Schwaben-Vereins: "Wir können alles, außer Party".

Schiedsrichter Benjamin Cortus -nicht nur dem Namen sondern auch dem Aussehen nach ein rechtes Jüngelchen - entscheidet in der 88. Minute auf Elfmeter für Köln. Es steht 1:1 und der gepeinigte Tabellenletzte darf auf seinen ersten Saisonsieg hoffen. Aber Cortus klemmt die Pfeife noch in der Kauleiste, da bestürmt ihn schon ein Rudel protestierender VfB-Spieler wie Mode-Zombies eine H&M-Boutique, in der eine Lagerfeld-Kollektion darauf wartet erbeutet zu werden.

Der Fall geht an den Video-Assistenten, woraufhin die Kölner Verrat wittern und nun ihrerseits den armen Benny bedrängen. Die Szenerie erinnert an Mutti auf Wahlkampf-Tour in ostgotischen Heimatgefilden.

Der Video-Assi erklärt sich für nicht zuständig und gibt den Fall zurück an Benny, der sich den strittigen Moment noch einmal am Spielfeldrand selbst ansehen muss. Sein Urteil nach vier quälend langen Minuten: Kein Strafstoß!

Die Stuuuuutgarter jubeln, die Kölner drehen durch und würden den verschreckten Jung-Schiri am liebsten durch den Häcksler jagen, wie der Psychopath Grimsrud in "Fargo" Jerry Lundegaards Nerv tötende Olle, nebst Kumpel Carl. Der VfB stolpert die Murmel schließlich doch noch einmal über die Torlinie und gewinnt 2:1. Die Kölner wechseln von Häcksler auf Wakizashi-Kurzschwert und entleiben sich selbst.

Ich will jetzt nicht über die Länge der Urteilsfindung und das letztendlich auch noch falsche Verdikt lamentieren, sondern einzig und allein auf das asoziale Verhalten der Herren Profis aufmerksam machen. Werben ständig für Respekt und Fairness, diese Voll-Honks, wissen aber weder, wie diese Wörter geschrieben werden, noch was sie beinhalten. Ein Benehmen, schlimmer als die letzten Heckenpenner.

Wie hat Oma immer gesagt: "Wer nicht hören will, muss fühlen!" Und weil die Forderung aus DDR-Untergangstagen – "Stasi in die Produktion" - bei den kickenden Millionären nicht fruchten wird, bleibt nur noch Ceasar Milan. Der weltberühmte Hundeflüsterer legt verstockten Tölen, wenn nichts anderes hilft, ein Elektrohalsband an.

Im Fußball eingesetzt, hieße das: Sobald ein Spieler an den Schiri rantobt - zack - auf den Knopf gedrückt - und der Satan macht artig "Platz". Hätte es solche Halsbänder am Freitagabend in Stuttgart gegeben, wäre darüber hinaus das Spiel früher zu Ende gewesen und die Schwaben hätten zeitiger das Licht im Stadion ausmachen können.

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Hertha BSC - Olympiastadion (Bild: dpa)
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