Ralf Rangnick stürmt das Spielfeld
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Draufgehalten, 30.10.2017 - Asoziales Verhalten, die Zweite: Vorbilder from Hell

Auf deutschen Fußball-Plätzen geht es zu wie im Irrenhaus. Kein Wunder, dass Inforadio-Kolumnist Thomas Kroh langsam wahnsinnig wird. Und so versucht er, sich selbst zu therapieren, in dem er das durchgedrehte Theater auf dem Rasen in seinem "Draufgehalten" verarbeitet.

Seit dem Nerven zerfetzenden Pokal-Thriller zwischen Rote Brause und Roten Bayern hyperventiliert wieder alles wegen der Schiedsrichter.  Ja, die Unparteiischen agieren derzeit ein wenig unglücklich, um es vorsichtig auszudrücken.

Da veranstalten zum Beispiel die Bayern eine zünftige Treibjagd auf Leipzigs Spielmacher Keita und treten dem armen Kerl den Fuß aus dem Sprunggelenk. Und wer fliegt vom Platz? Keita - weil er einem Gegner am Trikot gezuppelt hat. Und da werden trotz ausgiebigen Video-Studiums die fragwürdigsten Elfmeter verhängt, so dass der Streit über die verunsicherten Referees Jahrhunderte währende Fehden begründet.

Aber kein Mensch regt sich darüber auf, dass ein gestörter Sportdirektor mit einem Handy bewaffnet auf den Platz zum Schiri stürmt, in der irrigen Annahme, er sei der Video-Assistent. Oder dieser einweisungspflichtige Trainer, der aus Ärger über das tollpatschige Gegurke seiner Mannschaft vor Wut einem Zuschauer eine Wasserflasche an die Murmel feuert?

Das asoziale Verhalten der Spieler-Primadonnen, die auf jeden Pfiff mit peinlichem Gezeter und affigem Gerudel reagieren, habe ich an dieser Stelle bereits thematisiert. Aber ich kann von egomanischen Sportlern nicht erwarten, dass sie sich wenigstens halbwegs zivilisiert benehmen, wenn umnachtete Vorgesetzte wie Rangnick und Nagelsmann im Stadion unkontrolliert umherdüsen als wäre ihnen Kerosin gespritzt worden?

Was sich im deutschen Fußball abspielt, ist in anderen Sportarten undenkbar. Wer beim Handball den Schiedsrichter angeht, der bekommt eine Zwei-Minuten-Strafe, im Basketball gibt's ein technisches Foul, im American Football eine Raumstrafe und im Rugby wäre ein solch unerträgliches Kasperletheater allen Beteiligten schlicht nur peinlich.

Was aber faseln rasend gewordene Fußball-Trainer? Emotionen gehören dazu! Ich kann solchen Schwachsinn nicht mehr hören. Ein Verantwortlicher aus dem Berliner Verband hat vor einiger Zeit hier im Inforadio gesagt, alles Gemecker und alles Getobe, das am Sonnabend in der Sportschau über den Bildschirm laufe, könne man sich schon eine Woche später in der E-Jugend anschauen. E-Jugendliche - das sind Kinder von 8 bis 10 Jahren.

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Hertha BSC - Olympiastadion (Bild: dpa)
dpa

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