Ein Mann geht durch die Ausstellung "Benjamin und Brecht. Denken in Extremen" in Berlin
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- Benjamin und Brecht: eine außergewöhnliche Verbindung

Die Ausstellung "Benjamin und Brecht. Denken in Extremen" zur Arbeitsfreundschaft von Walter Benjamin und Bertolt Brecht ist seit kurzem in Berlin zu sehen. Der bewegende Roman "Die Stunde der Spezialisten" von Barbara Zoeke wurde mit dem Brüder-Grimm-Preis 2017 ausgezeichnet. "Weg sein - Hier sein" gibt syrischen Autoren und Autorinnen eine Stimme. Das sind die Themen in dieser Ausgabe von "Quergelesen" mit Ute Büsing.

Der britische Bestsellerautor Robert Harris ist spezialisiert auf historische Romane mit möglichst großer Faktentreue. Seinen Durchbruch feierte er mit "Vaterland". Für das Drehbuch zu "Ghostwriter" bekam er vor sieben Jahren den Europäischen Filmpreis. In seinem soeben erschienenen Thriller "München" untersucht der 60jährige die Geschichte des Münchner Abkommens von 1938 unter anderem zwischen Chamberlain und Hitler. Korrespondent Jens-Peter Marquardt hat Robert Harris in seinem Landhaus in der englischen Provinz besucht.

Ein "beklemmendes Kunstwerk in humanistischen Traditionen", so befand die Grimm-Preis-Jury. Gemeint ist die bewegende Neuerscheinung "Die Stunde der Spezialisten" von Barbara Zoeke, die gerade mit dem Brüder-Grimm-Preis 2017 ausgezeichnet wurde. Barbara Zoeke, ausgebildete Psychologin, gibt den Opfern und Tätern der bis heute weitgehend verdrängten nationalsozialistischen Euthanasie-Programme, der Ermordung von Psychiatrie-Patienten und Menschen mit Behinderung, eine literarische Stimme.  

Das neue Stipendium "Torschreiberin am Pariser Platz" für verfolgte und bedrohte Schriftsteller von der Allianz Kulturstiftung, der Stiftung Brandenburger Tor und dem Literarischen Colloquium Berlin wird zu ersten Mal vergeben. Es ist mit einem zweimonatigen Aufenthalt ab April 2018 im LCB verbunden und geht an die 35jährige Syrerin Rasha Habbal, die 2015 nach Deutschland kam und in Trier lebt. Habbal gehört zu den syrischen Autoren, deren Stimme in dem Band "Weg sein - Hier sein" auf Deutsch zu Gehör gebracht wurde. "Weg sein - Hier sein" beinhaltet 19 Texte und Fotos von syrischen Schriftstellern, die nach ihrer Flucht im Exil in Deutschland leben. Bundesweit gab es bereits zahlreiche Lesungen. Dazu ein Gespräch mit dem Verleger Joachim Zepelin.

Walter Benjamin und Bertolt Brecht, zwei Großkünstler der experimentierfreudigen, geistreichen Weimarer Republik, von den Nationalsozialisten ins Exil gezwungen. Die Beiden verband über zehn Jahre eine außergewöhnliche Arbeitsfreundschaft, die jetzt im Mittelpunkt der Ausstellung "Benjamin und Brecht. Denken in Extremen" in der Berliner Akademie der Künste steht. In zwei großen Räumen sind Schriften und Exponate zusammengeführt, die stellvertretend für den Austausch von Benjamin und Brecht stehen.

Die umfangreiche Schau versammelt Bruchstücke, die Auskunft geben über Brechts Episches Theater, das Benjamin begleitete und kommentierte. Man erfährt, was Benjamin und Brecht über Baudelaire und Kafka dachten, worin sich der werdende Sozialist und der linksliberale Großbürger unterschieden. Die historischen Stücke der Ausstellung werden ergänzt durch zeitgenössische künstlerische Positionen und ein umfangreiches Begleitprogramm.

Veranstaltungstipps

Stadt.Land.Buch 2017 findet von 5. bis 12. November in Berlin statt. Flandern und die Niederlande sind Gastland. Alle Informationen zum Programm finden Sie hier.

Hannelore Hoger stellt am Samstag um 17 Uhr im Berliner Kino International ihre Biografie "Ohne Liebe trauern die Sterne" vor. Sie erzählt von ihrer Kindheit und Jugend in Hamburg, von ersten Engagements und bleibenden Leidenschaften wie der fürs Malen.

Thomas Lehr stellt am Freitag, dem 3. November um 20:00 Uhr den Auftaktroman "Schlafende Sonne" zu seiner Jahrhunderttrilogie im Literaturhaus Berlin vor. Sein Roman war auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2017 zu finden.

Buchinfos

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  • Robert Harris
    "München"
    Thriller
    Heyne Verlag
    432 Seiten

  • Barbara Zoeke
    "Die Stunde der Spezialisten"

    Roman
    Die Andere Bibliothek
    300 Seiten

  • "Weg sein – hier sein: Texte aus Deutschland"
    Von Autoren, die geflohen sind
    Secession Verlag für Literatur
    256 Seiten

  • Silvia Bovenschen
    "Lug und Trug und Rat und Streben"
    Roman
    S. Fischer
    Voraussichtlich ab dem 08. März 2018 im Buchhandel

Sendung

Die Schauspielerin Sophie Nelisse als Liesel Meminger in einer Filmszene des Kinofilms "Die Bücherdiebin". (Bild: dpa)
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Quergelesen

Das Literatur-Magazin bietet Interviews und Gespräche mit Literaten und Verlegern, berichtet über Preise und Preisträger von Büchner bis Bachmann sowie über Festivals und Lesungen.