Martin Schulz präsentiert am 16.07.2017 in Berlin seinen Zukunftsplan
Bild: dpa, Maurizio Gambarini

- Martin Schulz stellt sein Wahlprogramm vor

Mit einem Zehn-Punkte Plan geht SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in die Offensive. Sollte er zum Kanzler gewählt werden, will er, dass der Staat nicht nur mehr investiert, sondern dazu auch verpflichtet wird.  Schulz will mehr Europa und auch mehr Gerechtigkeit. Seine Reformpläne hat er gestern im Willy-Brandt Haus vorgestellt. Wie die Zeitungen sie bewerten, fasst Bernhard Kempf in der Presseschau zusammen.

Auf ein geteiltes Echo stößt der Zehn-Punkte-Plan des SPD-Kanzlerkandidaten. Lob gibt es beispielsweise von der Frankfurter Rundschau.  Als gut und kraftvoll beschreibt das Blatt die Rede. Dabei sei es Schulz gelungen, die Themen Investitionen und Europa stärker in den Vordergrund zu rücken:

"Insbesondere, was das Europa-Thema angeht, hat der frühere Parlamentspräsident Schulz seine Stärken in den vergangenen Monaten noch nicht voll ausgespielt. Dass er hier jetzt noch mal Akzente setzt, ist vernünftig. Kann Schulz so die Wende schaffen? Im Moment würde darauf auch in der SPD kaum jemand wetten. Wechselstimmung lässt sich nicht erzwingen. Schulz tut gut daran, jetzt nicht übernervöses Themen-Hopping zu betreiben".  

Die Süddeutsche Zeitung bewertet die Vorschläge positiv, zumal Martin Schulz neue Ideen in seinen Zukunftsplan gepackt habe:

"Die SPD verstand es nicht, den Wahlkampf mit überraschend gesetzten Themen zu dominieren. Die Dinge, die der SPD so einfallen, hat sie entweder schon durchgesetzt wie den Mindestlohn oder die Kanzlerin hat sie der SPD schnell noch weggenommen wie die Ehe für alle. Jetzt endlich kommt ein wenig Neues – das "Chancenkonto" für jeden Erwachsenen zum Beispiel. Mehr davon!"

Ganz anders sieht das die Tageszeitung Die Welt:

"Mehr" - es war das häufigste Wort in der Berliner Rede von Martin Schulz, in der er sein lange erwartetes neues Wahlprogramm vorstellte. Mehr Geld für Digitalisierung. Mehr Geld für Bildung. Mehr Geld für Familien. Sich mehr vornehmen und mehr dafür ausgeben - bei Licht besehen ist es das alte Programm der SPD".

Auch die Lüneburger Landeszeitung sieht durch die Pläne keine Wechselstimmung:

"Schulz´überzeugender Vorstoß kann zwei Leerstellen nicht überdecken. Der Begriff "Gerechtigkeit" wanderte vom Zentrum an den Rand des Programms. Statt einer Gerechtigkeitslücke scheinen die Bürger eher eine Sicherheitslücke zu empfinden, Doch beim Thema innere Sicherheit bleibt die SPD zu blass, um die eigene innere Unsicherheit der SPD zu überwinden oder um den Trend wieder zu einem Genossen zu machen."

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dpa

Presseschau

Was schreiben die Zeitungen zu den Themen, die uns alle bewegen? Der Blick in die Kommentarspalten der regionalen und überregionalen deutschen Zeitungen.