Eine Hebamme hört in ihrer Praxis mit einem CTG die Herztöne eines Babys ab.
Bild: dpa, Uli Deck

- Hebammen-Mangel in Brandenburg

Jede Frau hat in Deutschland während und nach der Geburt das Recht auf Betreuung durch eine Hebamme – doch was tun, wenn keine da ist? Diese Frage stellen sich in Berlin und Brandenburg mittlerweile viele Schwangere. Manche versuchen verzweifelt, via Ebay-Kleinanzeigen noch irgendwo eine Hebamme zu finden. Das Problem: Die Zahl der Geburten steigt wieder, aber die Zahl der Hebammen sinkt. Besonders prekär ist die Lage in Ostbrandenburg. Amelie Ernst hat mit Hebammen, Politikerinnen und jungen Müttern gesprochen.

Zu viele Babys, zu wenige Hebammen – über der Gemeinde Zeuthen, südlich von Berlin, prangt ein dicker lila Fleck auf der Landkarte der Unterversorgung des deutschen Hebammen-Verbandes. Demnach ist der Hebammen-Mangel hier besonders groß. Egal, wen man vor der Kita "Kleine Waldgeister" fragt - jeder kennt das Problem.

Auch in vielen anderen Brandenburger Regionen geht es längst nicht mehr um eine individuelle Geburtsvorbereitung oder Nachsorge. Und auch, wer letztendlich eine Hebamme gefunden hat, ist damit nicht alle Sorgen los: Viele Hebammen, die Jahrzehnte lang freiberuflich gearbeitet haben, gehen derzeit in Rente. Besonders drastisch sind die Folgen in Frankfurt (Oder). Gerlinde Schücke ist 66 Jahre alt und die freiberufliche Hebamme in der Stadt – noch: "In Frankfurt geht's mir bestimmt drei Mal die Woche so, dass Frauen nachfragen, wo ich jetzt natürlich sage, da ich seit Januar Rentner bin: Ich mache dieses Jahr noch meine Kurse, aber es wird keine neuen im nächsten Jahr geben. Die Betreuung wird dann langsam ausklingen."

Noch immer müssen sich freiberufliche Hebammen mit rund 7000 Euro pro Jahr gegen Fehler bei einer Geburt versichern, wenn sie diese noch begleiten. Daran ändert auch die geplante Aufwertung des Berufs nicht. Ab dem kommenden Jahr soll ein Bachelor-Abschluss für Hebammen in Deutschland Standard sein, so wie in den meisten anderen EU-Ländern. Der Hebammen-Beruf wird also attraktiver, aber eben auch die Stellensuche im Ausland. Und das würde bedeuten: Wieder weniger Hebammen für Brandenburg. Also müssen sich viele Schwangere wohl weiterhin entscheiden: Weite Wege in Kauf nehmen, die Hebamme nehmen, die da ist oder doch ganz auf sie verzichten.

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Dominik Lenz befragt den Inhaber einer Mühle (Foto: Inforadio/Kattner)
Inforadio/A. Kattner

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