Mutter hält Baby hoch, Quelle: imago/stock & people Westend61

- Ein eigenes Kind um jeden Preis?

Der Wunsch nach eigenen Kindern erfüllt sich nicht für jeden so ohne weiteres. Fast 10 Prozent der deutschen Paare bleiben ungewollt kinderlos. Doch mit Hilfe der Reproduktionsmedizin ist mittlerweile vieles möglich. Und dafür gehen die Betroffenen nicht selten bis an ihre Grenzen und darüber hinaus. "Wie weit sollte man gehen? – Ein eigenes Kind um jeden Preis?"

Elisabeth und Lars hatten 2 Mal Glück, Riesenschwein muss man eigentlich sagen: Eine fast 4-jährige Tochter und nun auch ein 4 Monate altes Söhnchen hält das Berliner Ehepaar auf Trab. - Beide Kinder sind Resultat künstlicher Befruchtung. Dabei war das Paar aus medizinischer Sicht ein hoffnungsloser Fall - selbst für die Kinderwunschbehandlung. Umso dankbarer sind die Enddreißiger heute. - Dass es mit dem eigenen Nachwuchs doch geklappt hat, ist für sie ein absolutes Wunder.

Kennengelernt haben sich beide erst mit Mitte 30. Da wusste Elisabeth bereits von ihrem Frauenarzt, dass sie fast keine Eizellen mehr hat. Recht schnell stand für Elisabeth und Lars fest, dass sie sich medizinisch helfen lassen wollen. Der starke, gemeinsame Kinderwunsch einte das Paar.

Tägliche Behandlung war belastend

Die Behandlung hatte es dann in sich - körperlich wie auch seelisch war sie eine Belastung: Täglich Hormon-Spritzen bis zum Eisprung, dann in die Klinik, dort wird das Ei unter Vollnarkose entnommen, befruchtet, später wieder eingesetzt. Und dann beginnt da Bangen.

Zwei Kinder bei nur drei Versuchen

2 Kinder bei insgesamt nur 3 Versuchen, das schlägt jede Statistik, das ist der Sekretärin und dem Verwaltungsbeamten klar. In ihrem Bekanntenkreis gibt es mehrere Paare, die  mehr als 3 In-Vitro-Versuche hinter sich haben und immer noch kein Kind in den Armen halten. - Die Kunstfertigkeit der Ärzte und Labormitarbeiter ringt ihnen immer noch tiefe Dankbarkeit ab. Doch wie weit wären sie gegangen, wenn es nicht so schnell geklappt hätte? - Darüber, sagt das Paar, haben sie nie nachgedacht.

Kassenleistung nur für verheiratete Paare

Die hohen Behandlungskosten haben Lars und Elisabeth in Kauf genommen. Die Rücklagen reichten aus. - Als unverheiratetes Paar mussten sie zwei Versuche privat bezahlen. Insgesamt 13.000 Euro haben sie dafür hingelegt. - Beim 3. Versuch waren sie schon verheiratet, da sprang dann die Krankenkasse ein.

Prof. Dr. Heribert Kentenich, Leitender Arzt Berliner Fruchtbarkeitsklinik "Fertility Center", Quelle: Fertility Center Berlin, Spandauer Damm 130, 14050 Berlin

Kinderwunschpaare auch über finanzielle Hilfen aufzuklären, findet der Berliner Reproduktionsmediziner Heribert Kentenich wichtig. Er ist Leitender Arzt in der wohl größten Berliner Fruchtbarkeitsklinik, im "Fertility Center" in Westend. - Grenzen für die Kinderwunschbehandlung gibt es viele, sagt Kentenich.

Andreas Lob-Hüdepohl, Moral-Theologe, Quelle: Deutscher Ethikrat BG ALH

Allerdings: Die Ausbeutung und den Missbrauch von Billig-Leihmüttern in Südostasien und Osteuropa lehnt der Fruchtbarkeits-Fachmann ab. Eine Legalisierung in Deutschland, so meint er, könnte den Missbrauch eindämmen. - Nach Kentenichs Auffassung ist reproduktionsmedizinisch also erlaubt, was - empirisch belegt - den Beteiligten nicht schadet, sondern nützt. - Diese Formel zieht auch der katholische Moral-Theologe Andreas Lob-Hüdepohl zu Rate, wenn er die ethischen Grenzen assistierter Fortpflanzung abstecken soll.

Eizellspende müsste in Deutschland legalisiert werden

Folglich müsste die Eizellspende in Deutschland eigentlich legalisiert werden, meint Lob-Hüdepohl. Er ist Mitglied im Deutschen Ethikrat und berät die Deutsche Bischofskonferenz in bioethischen Fragen. - Ganz anders aber sieht er die Leihmutterschaft, die lehnt er kategorisch ab. Die Bindung zwischen der Schwangeren und dem heranwachsenden Kind nach der Geburt zu kappen, sei ein zu hoher Preis für die Erfüllung eines Kinderwunsches. Und genau deshalb sei das Embryonenschutzgesetz mit den allermeisten seiner Verbote richtig und wichtig.

Grenzen werden ständig neu verhandelt

Fest steht, dass die Grenzen für die Reproduktionsmedizin in Deutschland ständig neu verhandelt werden. Der wachsende Markt und die steigenden medizinischen Erfolgsaussichten drücken aufs Tempo, das weiß der Ethiker Lob-Hüdepohl genauso gut wie der Reproduktionsmediziner Kentenich. Beide ringen in ihrer täglichen Arbeit um die Wege, die Menschen mit Kinderwunsch bei uns offen stehen.

Eine sehr schwierige Aufgabe, meint das Berliner Ehepaar Lars und Eilsabeth. Nochmal würden sie das Schicksal nicht herausfordern wollen, so die Eltern. Die zwei fühlen sich mit ihren beiden Kindern als Familie jetzt komplett.

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Dominik Lenz befragt den Inhaber einer Mühle (Foto: Inforadio/Kattner)

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