Bademeister Uwe in der Berliner Schwimmhalle Fischerinsel - Foto: rbb Inforadio/Sabrina Wendling

- Alltag eines Bademeisters

"Heute geschlossen"... so heißt es in letzter Zeit häufig bei den Berliner Bäderbetrieben. Denn nicht nur die Technik streikt ab und an - dem Unternehmen geht auch der Nachwuchs aus. Kaum einer will heutzutage mehr Bademeister werden, so scheint es. Warum eigentlich nicht? Inforadio-Reporterin Sabrina Wendling wollte es ganz genau wissen und hat einen Tag lang einen Bademeister in der Schwimmhalle Fischerinsel in Berlin-Mitte begleitet.

Die Nachmittagsschicht von Bademeister Uwe beginnt nicht etwa am Beckenrand - sondern an der Kasse. Punkt 13.43 Uhr am Mittwochnachmittag. Im Minutentakt kommen Badegäste durch die Tür, wollen Tickets bei Uwe kaufen, fragen nach Tarifen und Schwimmkursen.

Kasse macht keiner der Bademeister gern. Uwe und seine Kollegen müssen allerdings immer häufiger ran, weil eine der beiden Kassiererinnen in Rente gegangen ist - und die Stelle nicht nachbesetzt wurde. Heute sind die Bademeister zu dritt und wechseln sich ab. Normalerweise sind fünf Kollegen im Einsatz, aber zwei sind krank. Die Personaldecke sei einfach zu dünn, sagt Uwe.

BILDERGALERIE

Er möchte am liebsten nur beim Vornamen genannt werden. Vor sechs Jahren hat er seine Ausbildung zum "Fachangestellten für Bäderbetriebe" gemacht, so heißen Bademeister ganz offiziell. Seit vier Jahren ist er fest angestellt, kennt sich gut aus im Job, und an der Kasse gefällt ihm der Kontakt zu den Badegästen. Aber nach drei Stunden Zählen und Rechnen ist er doch froh, als Kollege Tomek ihn ablöst.

Ein Mann für alle Fälle

Es ist inzwischen 17 Uhr. Draußen stockdunkel, in der Halle nur Dämmerlicht. Uwe tut jetzt das, was die meisten Badegäste für seine Hauptaufgabe halten: Er sitzt mit kurzer Hose und ärmellosem Shirt am Beckenrand und beobachtet das Geschehen im Wasser. Die Hallenluft ist 28 Grad warm und lädt ein, in den Schlummermodus zu verfallen. Aber das geht natürlich nicht, es könnte ja jederzeit etwas passieren. Tatsächlich musste Uwe aber noch nie einen Badegast retten - zum Glück, sagt er, wieder zurück in der Bademeisterkabine, einen Heldenkomplex hat er nicht.

Weil Retten eben nicht alltäglich ist, gehören viel bodenständigere Dinge zu Uwes Job: Er wechselt das Klopapier, fischt Haare und Haargummis aus dem Abfluss der Duschen, er entfernt Kalk und überwacht die Bädertechnik. Und, auch das gehört in der Schwimmhalle Fischerinsel dazu: Der Bademeister macht den Sauna-Aufguss. Und so steht Uwe vor seiner Sauna-Parfümerie, einem Schrank mit dutzenden Düften wie Sandelholz, japanischem Heilpflanzenöl und Cassis. Aus dem Bademeister wird jetzt ein Wellness-Meister.

Wellness statt Rettung

Uwe tauscht die Dienstklamotten gegen ein kariertes Sauna-Tuch, präsentiert nun den trainierten Bademeister-Oberkörper. Schnell noch etwas Minze in den Duft-Cocktail gemischt, dann verschwindet er in der Sauna. Sechs schwitzende Badegäste freuen sich über den neuen Aufguss. Uwe fächert ihnen noch etwas frische Luft zu und kommt klatschnass geschwitzt wieder raus.

Schnell springt Uwe unter die Dusche, und kaum zurück am Becken, ist er hinter der Bademeisterkabine im Fundbüro der Halle gefragt. Gesucht wird ein schwarzer Badeanzug mit weißen Streifen. Uwe kramt in einem blauen Plastikkorb mit verlorener Badewäsche - und erwischt gleich den richtigen.

Vom Hobby zum Beruf

Uwe hat sich ganz bewusst dafür entschieden, sein Hobby zum Beruf zu machen. Mit 50 hat er dafür seinen Job als Steinmetz an den Nagel gehängt und mit deutlich jüngeren Azubis Bio und Physik gebüffelt - die Bädertechnik ist nicht ganz einfach, auch das lernt man in der Ausbildung. Das Einkommen eines Bademeisters von maximal 2.700 Euro brutto sei nicht üppig, sagt er, aber reiche zum Leben.  

21 Uhr, die Schwimm-Vorstellung ist nun vorbei, zumindest für die Badegäste. Für die drei Bademeister geht jetzt der Stress erst richtig los. Sie haben eine Stunde Zeit, um Sauna, Halle und Umkleiden zu putzen und Kassensturz zu machen. Uwe schlüpft in seine Gummistiefel, schnappt sich einen Schlauch und spritzt mit dem Wasserstrahl den Beckenrand sauber. Danach greift er sich einen Staubwedel und sprintet in den Umkleidebereich. Hier warten 178 Schließfächer auf ihn, die er durchputzen muss.

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