Joachim Meyerhoff
imago/Leemage
Bild: imago/Leemage

- Meyerhoffs neuer Roman "Die Zweisamkeit der Einzelgänger"

Joachim Meyerhoff hat als Schauspieler am Wiener Burgtheater und längst auch als Schriftsteller eine große Fangemeinde. Am Donnerstag erscheint der vierte Teil seines autobiografischen Projekts "Alle Toten fliegen hoch". Ute Büsing hat "Die Zweisamkeit der Einzelgänger" gelesen.

Verlosung

Buchpremiere - Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Einzelgänger

Am 24. November um 20:00 Uhr ist Joachim Meyerhoff zur Buchpremiere live im Großen Sendesaal des rbb zu erleben.

Zu dieser - lange ausverkauften - Lesung lädt Inforadio zwei Hörer ein:
Schreiben Sie uns eine Mail an kultur@inforadio.de - und mit ein bisschen Glück sind Sie dabei.

Buchinfo

Joachim Meyerhoff - Die Zweisamkeit der Einzelgänger

Roman
416 Seiten
ISBN: 978-3-462-04944-2
€ 24,00
Verlag Kiepenheuer & Witsch

Anfangs für die Bühne

Der Einzelgänger das ist er: Joachim Meyerhoff. In diesem Band ist der heute 50-Jährige Anfang 20, ein mit sich selbst und den Umständen hadernder Jungschauspieler auf Ochsentour in der Provinz, namentlich Bielefeld und Dortmund. Die Zweisamkeit stellt sich ein in Gestalt der ersten großen Liebe Hanna, einem seltsam schlagfertigen belesenen Wesen. Sie verzaubert ihn mit ihren unfassbar großen Zähnen, die sich beim Küssen verkeilen und den Fantasiegeschichten, die sie erfindet.

Begonnen hat Meyerhoff mit seinen Rückbesinnungen zunächst auf der Bühne. "Alle Toten fliegen hoch" wie die Roman-Reihe hieß bereits sein sechsteiliger Monolog-Zyklus. Entlang der eigenen Biografie, beginnend mit der Kindheit auf einem Psychiatriegelände, umkreist er inzwischen auch in seinen Romanen so liebevoll wie sprachmächtig fragile und skurrile Begegnungen.

Zeit- und Situations-Chroniken

Er hat die Gabe, sich selbst und die anderen noch in der zugespitzten ironischen Zeichnung Ernst zu nehmen und damit nie der Lächerlichkeit preiszugeben. Seine genaue Beobachtungsgabe macht seine Bücher auch immer zu Zeit- und Situations-Chroniken. Es sind natürlich die von ihm erlebten und ausgeschmückten, meist etwas absonderlichen Geschichten, die er so präzise wie aber viel weniger langatmig als sein norwegisches Pendant Karl-Ove Knausgard erinnert. Aber sie gewinnen doch immer auch einen gesellschaftlichen Resonanzraum, in dem sich seine Leser wiederfinden - auch wenn sie nicht auf einem Psychiatriegelände aufgewachsen sind, keine hochbetagten trinkfesten Großeltern haben, profanisierten Körperzauber auf der Schauspielschule einüben oder als Schauspieler debütieren.

Am Ende - fliegen die Toten hoch

Der Einzelgänger gönnt sich nach langer Abstinenz in diesem Roman gleich noch zwei Zweisamkeiten. Mit der unersättlichen unfassbar schönen Tänzerin Franka und der Bäckerin Ilse, die warm und weich wie Puddingbrezeln ist. Gut gehen kann das nicht. Aber diese Konstellation taugt erneut für unnachahmliche Sprach-Slapsticks. Und am Ende, da wird Meyerhoff mal wieder von allen seinen Toten heimgesucht - und sie fliegen hoch. Ein anrührendes Lesevergnügen.

 

 

 

Auch auf inforadio.de

Probe Staatsballett "Herrumbre" (Bild: dpa)
dpa

Kultur

Der Wegweiser durch die weite Berlin-Brandenburgische Kulturlandschaft: Premierenkritiken, Film- und Musik-Tipps, Buchbesprechungen und Rundgänge durch aktuelle Ausstellungen. Die Kultur präsentiert das Wichtigste aus den Theater- und Kinosälen, Opern- und Konzerthäusern, Museen und Galerien und anderen Kulturräumen der Region und darüberhinaus.