Sängerin Pink bei einem Konzert am Schlagzeug
Bild: imago/ZUMA Press

- Pink in der Waldbühne

Sie ist eine der erfolgreichsten Pop-Künstlerinnen unserer Zeit: P!nk. Die Sängerin, die mit bürgerlichem Namen Alecia Moore heißt, gewann bereits mehrere Grammys und verkaufte über 60 Millionen Alben weltweit. Am Freitag konnten ihre Fans sie in der Waldbühne bejubeln, wo sie am Samstag noch ein Zusatzkonzert gibt - wegen der großen Nachfrage. Jakob Bauer kann sie nachvollziehen.

Die ersten auf der Bühne sind noch vor Konzertbeginn die fleißigen Crew-Mitglieder. Sie sind mit großen Wischmopps bewaffnet und trocknen gewissenhaft den langen Steg, der von der Bühne ins Publikum führt.

Glanz und Glamour in der Berliner Luft

Es ist feucht und grau, aber die wartenden Menschen in der ausverkauften Waldbühne trotzen in bunten Regenmänteln den drohenden Regen weg. La Ola-Wellen rollen durch das Halbrund, auf der Bühne wird es dunkel und plötzlich richten sich alle Blicke in die entgegengesetzte Richtung - nach hinten: Denn da ist Pink. Sie läuft die hunderten Treppenstufen durch die Zuschauerränge, streift die Hände und Gesichter der Tausenden Fans, springt auf ihren Steg und gets this party started.

Das ist mal die Definition von Null auf 100 in zehn Sekunden: Die Band kracht los, sechs Tänzerinnen und Tänzer springen auf die Bühne und mit abnorm schnellen Bewegungen um Pink herum, die Bilder auf den großen Leinwänden wechseln im Halbsekunden-Rhythmus und ein Feuerwerk pumpt noch vor Ende des Songs Glanz und Glamour in die Berliner Luft. Hui. Alles ist perfekt durchchoreografiert, Pink schmust und flirtet mit ihrem Gitarristen, kniet vor ihrer Bassistin, führt aberwitzig athletische Choreographien mit ihren Tänzern auf und setzt sich auf den überdimensionalen, pinken Schwimmreifen, in dem das Schlagzeug versinkt. Das Tempo ist schwindelerregend hoch und das bleibt es auch erstmal. In den ersten 30 Minuten ballert Pink ihre ganz großen Hits raus: Get This Party Started, Trouble, Funhouse, Just Like A Pill.

Makellose Stimm-Performance

Wie gut, dass Pink dann die Bremse reinhaut – auch wenn das alles gut knallt, in der ersten halben Stunde bleibt kaum Luft zum Atmen, kaum Zeit dazu, mehr mit dem Publikum in Kontakt zu kommen, kein Raum für Spontaneität. Aber den nimmt sie sich jetzt – schickt die Band von der Bühne und setzt sich mit ihrem Gitarristen ganz vorne auf den Steg, in die Mitte des Publikums und erzählt ein bisschen. Die Berliner Mücken sind quälend, sagt sie und schnippt eine Weg. Außerdem inspiziert sie interessiert was da alles auf die Bühne geflogen kommt: Kuscheltiere, so viele, man könnte eine beachtliche Anzahl Berliner Krippen damit versorgen. Ein Käsekuchen – wieso auch immer – und ein alberner Hut, den sie sich sofort auf ihre hellblonden Locken setzt. Jetzt ist sie bereit für ihre kleine Akustik-Session.

Außerdem wären da noch: Ein Ritt in einem runden Plastikball über die Köpfe der Zuschauer, die makellose Stimmperformance, auch nach 20 Jahren Live-Marathon, Feuerfontänen in den Himmel, zwei etwas unheimliche, 25 Meter hohe Voodoo-Puppen auf der Bühne und – angeblich – die Live-Premiere der ersten Single ihres neuen Albums. Alles ist leicht übertrieben und larger than life.  Die Musik geht da manchmal etwas unter. Sie ist eher ein Show-Element von vielen. Aber um es mit Pinks Worten zu sagen: Wenn die Show stimmt, "So What?"

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