Désirée Nick in der Rolle der Joan Crawford und Manon Straché in der Rolle der Bette Davis (v.l.), aufgenommen am 31.Mai 2016 während einer Probe zu dem Stück "Bette & Joan", Quelle: Oliver Fantitsch

- 'Bette & Joan': Weder Drama, noch Comedy

Bette Davis und Joan Crawford waren zwei amerikanische Filmdiven, die sich nicht ausstehen konnten. Dennoch drehten sie 1961 zusammen einen Film - Stoff für einen Zickenkrieg auf dem Theater. Inforadio-Kritikerin Ute Büsing war bei der Premiere von "Bette & Joan" im Berliner Theater am Kurfürstendamm und sah ein Stück, das echte Dramatik nicht zulässt, aber auch nicht wirklich lustig ist.

Beide haben sie diesen Filmjob bitter nötig. "Was geschah wirklich mit Baby Jane" soll ihre brachliegenden Karrieren wieder antreiben und ihre ruinösen Finanzen sanieren. So gnadenlos bösartig und heimtückisch wie der Schwesternkrieg, den sie für die Kamera eines großen Hollywood-Studios in Szene setzen, ist auch das private Verhältnis der Diven Bette Davis und Joan Crawford. Wir sehen sie auf der Bühne kurz vor und nach dem Dreh in ihren gegenüberliegenden Garderoben, monologisierend mit sich selbst und der eigenen verwelkenden Größe beschäftigt, in erbitterte Dialoge über die Deutungshoheit von Oscar-Gewinnen und männlichen Errungenschaften verstrickt.

Desirée Nick, sonst Comedy-Diva in sehr eigener Sache, gibt Lady Crawford als gespreizte Zicke, in vollkommener Künstlichkeit. Manon Straché verkörpert das deftig durchsetzungsfähige Biest Davis. Sie ist mit ihrer fast grobschlächtigen Haudruff-Direktheit glaubwürdiger als Nick. Bei ihr kommt Mensch durch. Während sie meist in der unvorteilhaften Maske und Montur aus dem Baby Jane-Film agiert - von dem einige Szenen in Schwarz-Weiß nachgedreht wurden und im Hintergrund gezeigt werden - läuft Nick gelackt auf. Ein reizvoller Gegensatz entsteht daraus aber nicht - gerade weil die Schauspielikonen sich im Grunde so ähnlich sind. 1961 haben beide ihren Zenit überschritten und müssen sich und ihre Profession gegen Models Marke Monroe verteidigen.

Nur selten blitzt aber unter den immer wieder aufflammenden Neid- und Hasstiraden kurz mal Einverständnis auf, ein Hauch von Freundschaft sogar. Tiefgreifende Konflikte, echte Dramatik lässt Anton Burge in seiner Backstage-Tragedy nicht zu und Regisseur Folke Braband folgt ihm darin. So richtig wirklich lustig, eine Comedy, ist das Stück aber auch nicht. Der Wortwitz ist eher sparsam gesetzt. Als Running Gag kippt sich Nick-Crawford Wodka in die Pepsi-Cola, während Straché-Davis eine nach der anderen pafft. Gipfel der Bosheit: als sich Crawford einen Bleigürtel anlegt, damit Davis sich beim Dreh an ihr verhebt. Etwas verhoben wirkt auch diese gut zweistündige Koproduktion des Kudamms- mit dem Hamburger Ernst Deutsch Theater.

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