Erich Salomon, Überfahrt nach Ellis Island, New York, um 1932 - © Urheberrechte am Werk erloschen, Repro: Anja-Elisabeth Witte

- 'Die fotografierte Ferne' in der Berlinischen Galerie

Das Reisen ist seit mehr als 100 Jahren ein großes Thema der Fotografie. Mit Aufkommen des massenhaften Tourismus im späten 19. Jahrhundert entstand das Genre der Reisefotografie, das die Erwartungen an das Exotische in der Fremde bestätigte. Erst seit den 1920er-Jahren ist das Reisen für Fotografen auch Anlass für die künstlerische Auseinandersetzung mit den kulturellen, politischen und sozialen Zuständen anderer Länder. Die Ausstellung "Fotografierte Ferne" in der Berlinischen Galerie vermittelt eine Geschichte der künstlerischen Fotografie des 20. Jahrhunderts.  

Erich Salomon, der drei Männer mit Hut als dunkle Schablonen von hinten ins Visier nimmt - den Blick hinüber auf das vor ihnen liegende Ellis Island gerichtet. Thomas Hoepker, der sich 30 Jahre später in die Weiten Amerikas aufmacht - und Armut und Tristesse entlang der Highways in Arizona festhält. Robert Petschow, der die Welt von oben herab betrachtet - und bei dieser "Feldforschung" die Äcker am Boden zur abstrakten Formation werden lässt: Ganz unterschiedlich halten Fotografen die Welt im Bild fest.

Weite und nahe Ferne

"Eigentlich geht es darum (...) zu zeigen, wie sich die Wahrnehmung der Welt verändert hat - vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute," erläutert Ulrich Domröse, Kurator der Ausstellung. Entlang von 180 Bildern begibt man sich hier auf Erkundungstour. Es gibt Dokumentarisches wie Inszeniertes, perspektivisch Gewagtes, Alltägliches. Mal sind dabei die Motive tausende Kilometer weit weg, mal liegt die Ferne ganz nah. Etwa bei Hans Pieler und Wolf Lützen, die 1984 die Transitstrecke Berlin Hamburg ablichteten - aus dem Auto heraus: "Die Transitstrecke war ja für West-Berliner einerseits Vorgarten, aber gleichzeitig auch ein unsichtbarer Glaskasten. Man durfte ja von der Strecke nicht abweichen. Im Grunde ist es das Kontrastmodell. Hans Pieler kam damals mit einer Serie von einem amerikanischen Highway, und Highway und Autofahren ist die klassische Verbindung von Freiheit. Und ich habe gesagt: Wir haben ja auch eine Autobahn, aber da verspricht es nicht Freiheit und Abenteuer sondern ist das Gegenteil davon."

Hielten die beiden hier diese Freiheit in Grenzen in Bildern fest, ging auf der anderen Seite der Ostdeutsche Fotograf Ulrich Wüst im Kopf auf Reisen. Er hat Orte imaginiert in Mecklenburg, in Thüringen und an der Ostsee, die so aussehen, als sei man in Griechenland oder Italien. Als er dann später reisen durfte und wieder in diese Gegenden muss er feststellen, dass nicht alles so aussieht wie in der Vorstellung, sondern vielmehr vieles daran erinnert, was die DDR ausmachte.

Der Mensch gibt die jeweilige Sichtweise vor

So erzählt die Ausstellung die Geschichte der Reisefotografie - aber auch von Fotografen auf Reisen. Dabei legt sie den Fokus auf künstlerische Arbeiten und macht dabei aber auch klar, dass es zunächst der Mensch ist, der die Welt ganz unterschiedlich wahrnimmt - und eben seine Sichtweise mit der Kamera festhält.

Heidi Specker ist in der Ausstellung mit einer Fotoserie aus Italien vertreten: "Man kann ja auch in Gedanken reisen und flanieren. Dieses Loslassen hat man immer, egal ob man Tourist ist oder mit dem Plan unterwegs, eine Arbeit zu erstellen. Der Aspekt des Ungewohnten, dass es anders riecht als Zuhause oder das Licht schöner - der ist immer gegeben."

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