Der Sänger und Schauspieler Tom Schilling, aufgenommen am 22.03.2017 in Berlin., Quelle: Jörg Carstensen, dpa

- Tom Schillings Debütalbum 'Vilnius'

Tom Schilling ist einer der erfolgreichsten deutschen Schauspieler der vergangenen Jahre. Seinen großen Durchbruch hatte er 2012 mit der Hauptrolle in dem Film "Oh Boy". Jetzt möchte es der Berliner auch als Musiker wissen. Am Freitag kommt sein Debutalbum "Vilnius" raus. Singende Schauspieler - das muss nicht immer eine Offenbarung sein, wie das unterdurchschnittliche Album von Matthias Schweighöfer vor kurzem zeigte. Im Fall von Tom Schilling lohnt es sich aber hinzuhören meint Inforadio Musikkritiker Hendrik Schröder.

Es klingt wie Element of Crime in nüchtern und jung, ist der erste Eindruck. Und in der Tat, der Einfluss von Sven Regener und Co ist das gesamte Album über spürbar. Der Sound hat was angenehm schepperndes, ist nicht glatt, nicht gefällig, aber doch poetisch und dramatisch. Moses Schneider hat die Songs produziert, der Mann, der schon Tocotronic, Annenmaykantereit und den Fehlfarben ein eigenständiges Klanggewand auf den Leib gezaubert hat. Auch bei Tom Schilling hat Schneider einen guten Job gemacht. 

Aus dem Innersten auf den Tisch gepackt

Tom Schilling singt kühl, distanziert, behält immer die Fassung, weiß aber seinen Texten durchaus Ausdruck zu verleihen. Mit so einer Art glaubwürdiger Boshaftigkeit, die sich von hinten anschleicht. In den Texten geht es, natürlich, sehr viel um die Liebe. Aber wenig im romantischen Sinne, es ist eher ein Nachtreten, ein Abrechnen mit gescheiterten Verbindungen. Die Texte seien alle sehr persönlich, sagte Schilling in den Interviews zur Veröffentlichung. Das ehrt ihn, dass er hier nicht mit Wischiwaschi Lyrics ankommt, die dem deutschpopigen Zeitgeist entsprechen, sondern wirklich was aus seinem Innern auf den Tisch packt. 

Mit Leichtigkeit die Dramen des Lebens

Eingespielt hat Tom Schilling "Vilnius" gemeinsam mit der Band Jazz Kids, die eigentlich Major Minors heißt und die auch die Musik zu Schillings Erfolgsfilm "Oh Boy" geschrieben hatte. Und die Jazz Kids machen das gut, klingen wie etwas abgerissene Typen in weißen Doppelripp-Unterhemden mit Sakko drüber, die bis Sonnenaufgang etwas verspult im Mauerpark sitzen und mit Tiefe und Leichtigkeit zugleich die Dramen des Lebens vertonen. Ok, es sind auch Songs drauf, da fragt man sich: Was soll das denn sein? Rolf Zuckowski für Erwachsene? Aber das liegt weniger an den Jazzkids, sondern daran, dass Tom Schilling dann in so einen gefälligen Singsang verfällt und mit Texten wie "Ich liebe was Du sagst, es wird schwer Dich zu vergessen, wenn Du mich nicht mehr magst" auch in jeder Kitagruppe schwer punkten könnte. 

Gelungener erster Versuch

Aber die weniger geglückten Songs sind in der Minderheit - geschenkt. Tom Schillings Versuch als Musiker ist gelungen. Elf Jahre hat er gebraucht, die Songs zu schreiben. Und die Produktion habe ihn derart viel Kraft gekostet, dass es vielleicht sein erstes und letztes Album bleiben könnte,  sagt er. Das wäre schade. Denn hier hat es ein emotional begabter Mann wirklich ernst gemeint mit dem Versuch, seine Seele in Liedform zu pressen. Und das verdient Respekt.

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