Fotoprobe zum Stück "Tod in Venedig" in der Deutschen Oper Berlin (Foto: imago/Martin Müller)

- 'Tod in Venedig' in der Deutschen Oper

Thomas Manns berühmte Novelle "Tod in Venedig" kennen die meisten Menschen als Film von Luchino Visconti. Weniger bekannt ist, dass der Komponist Benjamin Britten den Stoff als Oper auf die Bühne brachte. Am Sonntag hatte die Neuinszenierung Premiere in der Deutschen Oper Berlin. Barbara Wiegand war dabei.

So einiges soll autobiografische Züge tragen in dieser Novelle von Thomas Mann - in dieser Geschichte von Sehnsucht nach Jugend und Sinnlichkeit, von bis ins peinliche gehender Schwärmerei und menschlicher Endlichkeit. Und auch Benjamin Britten sah in dieser seiner letzten Oper nicht nur Manns Hauptfigur Gustav von Aschenbach als Vorbild, sondern auch sich selbst. Schließlich schrieb er diese seine letzte Oper Anfang der 70er Jahre - quasi im Angesicht seines eigenen Todes, verschob eine notwendige Herz-OP immer wieder, um sie fertig zu stellen.

Starke Symbole am Rande des Stereotyps

So ist für Britten die vom Schriftsteller Mann beschriebene Suche nach Worten inmitten verworren pulsierender Gedanken die Suche nach den richtigen Klängen: Rhythmische Reihen verlieren sich in hämmernden Dissonanzen, atonale Folgen wechseln mit ganz klassischen Melodiebögen. Klänge, die einen zu Anfang der Oper in ihren Bann ziehen - zumal Regisseur Graham Vick durchaus starke Bilder findet, für diese Sehnsucht nach der verlorenen Jugend, der Schönheit, der Fantasie. Stühle werden zu Gondeln, die mal Trauer tragen, mal in gleißendes Licht getaucht, an Inseln aus lila farbenen Tulpen anlegen. Darauf und drumherum tummeln sich der alternde Autor und sein Schwarm, der sich als sein jugendliches Alter Ego entpuppt. Dazu göttliche wie zwielichtige Gestalten. Allesamt starke Symbole - die sich allerdings allzu bald in Stereotypen erschöpfen. Vicks Versuch, die Tragödie einer Entwürdigung - wie Thomas Mann seine Novelle nannte - generell als Abschied von Jugend, Kreativität und schließlich vom Leben zu deuten ist zwar interessant, bleibt aber an der Oberfläche.

Handlungsarme Oper

Vielleicht auch, weil die eingangs so beeindruckende Musik zunehmend an Tiefgang verliert - was nicht am einfühlsamen Spiel des Orchesters der Deutschen Oper unter dem Dirigat von Donald Runnicles liegt. Auch nicht am Sängerensemble, mit einem Paul Nilon als Gustav von Aschenbach, der die immens umfangreiche, praktisch pausenlose Partie mit bewundernswerter Energie und Akribie meistert. Nein, es liegt vielmehr an der Komposition selbst. Diesem Britten fehlt die atmosphärische Dichte früherer Werke.

So ist es eine ziemliche Herausforderung, diese handlungsarme Oper packend in Szene zu setzen. Graham Vick gelingt es nicht. Wenn am Ende sein Gustav von Aschenbach durch eine Tür ins Licht tritt, den am Boden liegenden Jüngling hinter sich lassend, dann ist es ein ziemlich kitschiges Ende für diesen "Tod in Venedig".

 

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Der Sänger Seth Carico (Bild: imago/Stefan Zeitz)

Porträt des Sängers Seth Carico

"Tod in Venedig" -  Thomas Manns berühmte Novelle hat Benjamin Britten vertont, und am Samstagabend hat das Werk Premiere in der Deutschen Oper Berlin. Der Plot: Der alternde Aschenbach verliebt sich in den jungen Tadzio. Eine tragische Geschichte. Gleich sieben Rollen in dieser Oper singt und spielt der amerikanische Bassbariton Seth Carico. Maria Ossowski hat ihn getroffen.

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