Symbolbild: Elektronische Musik (Bild: colourbox.com)

- Wie komponiert man am Computer?

Von winzigen Aphorismen auf Twitter bis hin zu tagesfüllenden Neun-Stunden-Kompositionen ist alles dabei: Der Berliner Komponist und Medienkünstler Johannes Kreidler ist ein Kunst-Workaholic. Mit 36 Jahren hat er schon Stücke für alle wichtigen deutschen Festivals für Neue Musik geschrieben. Er denkt Musik auf seine Art weiter und polarisiert dadurch in der Szene. Jakob Bauer hat ihn besucht und gefragt: Wie entsteht eigentlich seine Neue Musik?

In seiner Zwei-Zimmer-Wohnung in Moabit lebt und arbeitet der Komponist Johannes Kreidler. Vier Monitore stehen auf einem Tisch, für die Videos, die in vielen seiner Stücke vorkommen. Und für die Arbeit mit der Kompositionssoftware, die er entwickelt hat. Im anderen Zimmer probt er mit Musikern, hat sich ein Heimkino eingerichtet, in dem er seine Videoproduktionen testet – und irgendwo in der Ecke steht auch noch ein Bett. In dieser Wohnung entstehen die meisten seiner Ideen, immer mit dem Anspruch etwas zu schaffen, das es noch nicht gibt.

Ideenkunst

Johannes Kreidler: "Meine Kunst würde ich als Ideenkunst bezeichnen. Ich hatte zum Beispiel letztes Jahr ein Stück für Cello komponiert. Da war die Idee von Saiten, die auch Drähte sind. Von diesen Drähten bin ich dann zu Stacheldraht gekommen, kann ich irgendwas mit Cello und Stacheldraht machen? Dann ist natürlich die politische Situation so, dass die Länder wieder reihenweise Stacheldraht an ihre Grenzen anbringen. Dann hab ich mich in die Frage vertieft, was für Arten von Stacheldrähten es überhaupt gibt. Dann habe ich mir ein Buch besorgt, in dem es über tausend verschiedene Arten von Stacheldrähten gibt und mich in so eine Materie eingelesen und so kam dann ein Stück über Stacheldraht heraus, bei dem ich dann eine Verklanglichung von verschiedenen Stacheldrahttypen erstellt habe."

Johannes Kreidler - Foto und Copyright: Esther Kochte
Johannes Kreidler

Der gebürtige Esslinger arbeitet viel mit dem Computer. Partituren mit Hand schreibt er kaum mehr. Und er lässt den PC komponieren. Kreidler spielt Klänge ein, der Computer remixt, vertauscht zum Beispiel 20  oder 30 Prozent der Tonhöhen.

Johannes Kreidler: "So entdecke ich dann irgendwo etwas in diesem Chaos. Der Computer ist ja in dem Sinne nicht musikalisch, sondern würfelt nur, aber er kann mir schnell 20.000 Noten ausspucken. Da ist dann an irgendeiner Stelle etwas Interessantes, das kann ich mir dann herauspicken und das dann weiterentwickeln und auf diese Weise mir die Rechenpower zu Nutze machen."

Auch für klassische Besetzungen

Trotzdem schreibt Johannes Kreidler auch für klassische Besetzungen. Für ein Solo-Stück braucht er rund zwei Monate, für ein Orchesterstück ein bis zwei Jahre - und manchmal auch länger.

Johannes Kreidler: "Ich habe zum Beispiel auch ein konzeptuelles Orchesterstück gemacht, Minus-Bolero, das ist der Bolero von Ravel und ich hab einfach nur die Melodie weggelassen. Das war von der Schreibarbeit eine Stunde Zeitaufwand. Trotzdem hab ich an dem Stück fünf Jahre gearbeitet. Fünf Jahre habe ich den Bolero von Ravel tausendmal angehört und mir immer überlegt wie wäre das ohne Melodie. Und nach fünf Jahren harter Hörarbeit habe ich gemerkt, ja doch, jetzt kann man das machen, jetzt will ich das machen.“

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