Die Sängerin Balbina (Bild:

- Wenig gefälliger Kritikerliebling: Balbina

Am Dienstagabend fand im Großen Sendesaal des rbb das erste Konzerthighlight des Jahres statt: Die Sängerin Balbina stellte ihr neues Album "Fragen über Fragen" vor. 2015 gelang ihr der Durchbruch als Vorband von Herbert Grönemeyer und gestern trat die Berlinerin gleich mal mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg auf. Magdalena Bienert hat zugehört.

Balbina ist schon Tage vor ihrem Auftritt aufgeregt - das sagte sie rbb-Interview. Der Sendesaal war ausverkauft. Es gab jede Menge Presse, Fans und sicher auch Familie. Das allererste Mal stellt die 33-Jährige ihr drittes Album "Fragen über Fragen" live vor. Es erscheint erst Mitte Februar. Aufgenommen hat sie es auch mit einem Orchester, aber einem bulgarischen.

Sängerin oder Bühnenfigur?

Für diesen speziellen Abend hat sie sich mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg zusammengetan. Ihre Band, bestehend aus Schlagzeuger, Bassist und Keyboarder, steht mit auf der Bühne. Die drei jungen Männer tragen weiße Turnschuhe zu schwarzen Hosen und Pullis. Balbina trägt, wie so oft, ein fast schon skulpturales, schwarzes bodenlanges Kleid mit ausgestelltem Rock. Wenn sie läuft, muss sie ihn mit beiden Händen anheben. Dazu ein geflochtener Zopf. Alles unter Kontrolle. Nichts fliegt oder wackelt, ohne, dass sie es so will. Die Sängerin - oder ist es ihre Bühnenfigur? - steht unter Spannung. Ganz bewusst.

Aphorismen und Analogien

Nach dem vierten Lied wagt Balbina mal einen direkten Blick ins Publikum. Langsam löst sich die Anspannung. Auf ihrem neuen Album erzählt sie wieder kleine Geschichten, die man allesamt auch abdrucken könnte, ohne, dass Musik fehlen würde. Aphorismen und Analogien treffen auf die Doppeldeutigkeit der deutschen Sprache.

Titel wie "Der Dadaist" lösen sich in Sätzen auf, wie "da da ist was …". In "Das Sinnlos" fühlt sich Balbina "großartig sinnlos"  oder besingt in "Der Trübsaal", dass es der Seele angenehm elend gehe.

Das Deutsche Filmorchester Babelsberg hält sich angenehm zurück. Es ist nicht zu aufgeblasen, die Band darf gleichermaßen präsent sein.  Balbinas erste neue Single "Regenwolke" im letzten Drittel des Konzertes wird zur ersten Bombast-Nummer. Nur noch getoppt vom vorletzten Lied "Das Kaputtgehen" über Selbstzerstörung zum Selbstschutz. Gänsehaut. Standing Ovations nach 70 Minuten. Viel zu kurz war das, viel zu lang sind die fünf Wochen bis zum Erscheinen des neuen Albums. Balbina macht zwei Jahre nach ihrem gefeierten Durchbruch da weiter, wo sie aufgehört hat: als wenig gefälliger Kritikerliebling.

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