Szene aus "Denial" von Yael Ronen am Berliner Gorki-Theater (Foto: imago/Drama-Berlin.de)

- Wie entsteht ein Stück am Gorki Theater?

Wir reden ja jeden Tag an dieser Stelle über Kulturereignisse - wir stellen neue Alben vor, berichten über Konzerte oder Theaterpremieren. Da gucken wir uns dann jeweils die Ergebnisse an. Aber wie ist es dazu gekommen, wie entsteht eigentlich Kunst? Ute Büsing hat mit zwei Schauspielern über die besonderen Stückentwicklungen der israelischen Regisseurin Yael Ronen am Berliner Gorki Theater gesprochen.

So wie Yael Ronen arbeiten nur wenige. Gemeinsam mit ihrem Ensemble entwickelt die israelische Hausregisseurin des Gorki Theaters Stücke zu Konflikten, Krisen und Kriegen. Preisgekrönte Produktionen wie "Common Ground" und "The Situation" basieren auf biografischen Stationen und eigenen Erfahrungen der Schauspieler, die in einem gemeinsamen Improvisationsprozess verdichtet werden. Aleksandar Radenkovic, denächst zum dritten Mal daran beteiligt:

Erst mal ist nichts da außer einer Idee

"Es fängt an mit einem großen Nichts. Wo erstmal gar nichts da ist, außer einer Idee. Es funktioniert weniger darüber, dass man improvisiert, weil man ja noch gar nicht das Feld abgesteckt hat, sondern dass man viel spricht, viel Erfahrungen austauscht, teilweise auch Massagen macht, Meditationen zusammen macht. Hört sich alles sehr esoterisch an, ist es auch. Aber sie hat ein Vermögen etwas rauszuholen, was viel mit Vertrauen zu tun hat, diese Sicherheit zu haben, dass man sich nackt macht, aber trotzdem geschützt ist. Was so spannend bei ihr ist, ist ja diese Gratwanderung: Ich steige im nächsten Moment aus und bin in einer Figur."

"Meistens legen wir eine echte Wunde frei"

Die israelische Schauspielerin Orit Nahmias lernte Yael Ronen schon auf der Schauspielschule in Tel Aviv kennen. Sie war an Ronens Berliner Druchbrüchen "Dritte Generation" und "The day before the last day" beteiligt, damals noch an der Schaubühne. In allen Ronen-Projekten am Gorki spielt die in der Regel Englisch sprechende Tragi-Komikerin eine zentrale Rolle. Seit der letzten Spielzeit als festes Ensemblemitglied.

"Meistens legen wir eine echte Wunde frei. Aber durch die Transformation zur Bühnenfigur fühle ich mich sicher. Es ist viel einfacher, in einer Rolle damit umgzugehen. Und der Prozess hört ja nicht auf. Mit jeder Vorstellung ändert sich die Geschichte, weil du dich verändert hast wie die Dinge, über die du sprichst. Der Heilungsprozess geht also weiter."

Heilsame Rückkehr auf verbrannten Boden

Wenn Orit Nahmias auf der Bühne zur selbstironischen Expertin für unlösbare politische und ethnische Konflikte wird, tut die 39jährige das vor dem Hintergrund ihres Aufwachsens in Israel. In ihrer Heimat ist es oft kaum möglich, sich auf "Common Ground",ein gemeinsames Wertesystem, zu verständigen. Aleksandar Radenkovic wurde 1979  im serbischen Novi Sad geboren. Aufgewachsen ist er in Deutschland. Für ihn war die Stückentwicklung zu den Balkankriegen eine heilsame Rückkehr auf verbrannten Boden.

"Dass man sich wirklich face-to-face mit Kollegen auseinandersetzen konnte, die dann wirklich ihre eigenen Erfahrungen gegenübergesetzt haben, dass man wirklich in Bosnien auf einem Friedhof gestanden hat und das mit eigenen Augen gesehen hat, was das eigentlich heißt, wenn ganze Familien ausgelöscht worden sind. Das hat wirklich sehr viel Emotionales noch mal hoch gebracht. Und dass wirklich Menschen aus Bosnien, aus Kroatien, auf mich zugekommen sind und gesagt haben: 'Ich kann Deine Geschichte trotzdem so gut nachvollziehen und verstehen', das ist etwas, was ich so in meinen zwölf Jahren am Theater noch nicht erlebt habe."

"Jeder ist verletzt"

Ja, Yael Ronens Theater der Erfahrungen ist auch Therapie für die Beteiligten. Nein, bezeichnen würden sie ihre Stückentwicklungen so aber nicht. Schließlich kommt das Publikum in Scharen zu Theaterabenden wie "Common Ground" und "The Situation" und nimmt Mehrwert mit.

"Jeder ist verletzt. Magisch werden unsere Vorstellungen, wenn das Publikum genau das spürt."

Sowohl Alexandar Radenkovic als auch Orit Nahmias profitieren von der ungewöhnlichen Arbeit an den Stückentwicklungen. Sie macht eine Stand-Up-Show. Er ist demnächst in einer zehnteiligen improvisierten Fernsehserie zu sehen.

Auch auf inforadio.de

Noë - Stephan Noe (© radioeins/Schuster)

Wie entsteht ein Song?

Wie schreibt man ein Buch? Wie kommt ein Theaterstück vom Manuskript auf die Bühne? Wie arbeitet ein Maler? Kurzum: Wie entsteht Kunst? Hendrik Schröder hat sich die Frage gestellt, wie man eigentlich einen Song schreibt, und sich von der Berliner Band Noe erklären lassen, wie sie es machen.

Buchcover: Warum Erwachsene lo lange aufbleiben müssen (Katharina Grossmann-Hensel) - Quelle und Copyright: Verlag Annette Betz

Wie entsteht eine Buchillustration?

Wir kennen alle möglichen fertigen Kunst-Produkte - aber wie kommt zum Beispiel eine Buchillustratorin auf ihre Bilder, und was ist zuerst da - das Wort oder das Bild? Marianne Mielke hat sich mit der Illustratorin Katharina Grossmann-Hensel unterhalten.

Symbolbild: Elektronische Musik (Bild: colourbox.com)

Wie komponiert man am Computer?

Von winzigen Aphorismen auf Twitter bis hin zu tagesfüllenden Neun-Stunden-Kompositionen ist alles dabei: Der Berliner Komponist und Medienkünstler Johannes Kreidler ist ein Kunst-Workaholic. Mit 36 Jahren hat er schon Stücke für alle wichtigen deutschen Festivals für Neue Musik geschrieben. Er denkt Musik auf seine Art weiter und polarisiert dadurch in der Szene. Jakob Bauer hat ihn besucht und gefragt: Wie entsteht eigentlich seine Neue Musik?

Die Sopranistin Nicole Chevalier (Bild: imago/impress picture)

Wie erarbeitet sich eine Opernsängerin ihre Rolle?

Wie wird Kunst gemacht? Wie geht eine Opernsängerin vor, wenn sie sich eine Rolle erarbeitet? Judith Kochendörfer hat die Sopranistin an der Berliner Komischen Oper, Nicole Chevalier, befragt, wie sich ihren Part in der zeitgenössischen Oper "Medea" aneignet.

Auch auf inforadio.de

Probe Staatsballett "Herrumbre" (Bild: dpa)

Kultur

Der Wegweiser durch die weite Berlin-Brandenburgische Kulturlandschaft: Premierenkritiken, Film- und Musik-Tipps, Buchbesprechungen und Rundgänge durch aktuelle Ausstellungen. Die Kultur präsentiert das Wichtigste aus den Theater- und Kinosälen, Opern- und Konzerthäusern, Museen und Galerien und anderen Kulturräumen der Region und darüberhinaus.