Mi, 16.05.2012 | 23:46 Uhr
Die virtuelle Welt des Internets hat sie groß gemacht, doch lieber ist Kina Grannis das nette Mädchen von nebenan aus Fleisch und Blut. Sie wünscht sich mehr Licht im Saal, damit sie die Fans, vor allem junge Frauen zwischen 16 und Mitte Zwanzig, besser sehen kann und zieht ihre Schuhe aus. Das ist bequemer, wenn sie ihre romantischen Lieder über die Liebe singt.
In den USA werden die Songs bereits in Werbespots und Fernsehserien verwendet, das erklärt die Millionen-Klickzahlen im Internet. Einen Plattenvertrag hat Kina Grannis ausgeschlagen, sie hat ihn nicht mehr nötig. Nur in Europa muss sie sich erst noch einen Namen machen, bisher reicht ein kleiner Club wie der Rote Salon. Dafür ist er ausverkauft.
Begleitet wird die 26-Jährige von einem Musiker am Cello, sie selbst spielt Gitarre. Ihre Songs sind eingängige Country-Folk-Nummer. Und die Cover-Version von Britney Spears "Oops I Did it Again" klingt neu und eigenwillig.
Musikalisch ist also alles perfekt, aber doch zu glatt und zu süß, um wirklich hängen zu bleiben.
Immer häufiger werden Stars im Internet geboren: Prominentestes Beispiel ist aktuell die Amerikanerin Lana del Rey oder auch der australisch-belgische Sänger Gotye - der übrigens heute Abend im Heimathafen Neukölln ein Konzert gibt. Auch die beiden sind zuerst durch ihre originellen Videos aufgefallen. Bei Kina Grannis ist an diesem Abend eines sicher: Das Publikum liebt sie.
Die Sängerin zückt ihr Smartphone und macht ein Foto, die Fans formen mit den Händen Herzchen strecken sie ihr entgegen. Irgendjemand pustet Seifenblasen in die Luft. Wahrscheinlich wird Kina Grannis das Bild ins Internet stellen.
Ein Beitrag von Anna Pataczek.