Polizisten nehmen Mann fest (Bild: imago/Olaf Wagner)
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Debatte über innere Sicherheit - Blick in die Polizei-Statistik

Schon wieder grundlose Gewalt in einer Berliner U-Bahn-Station: Sieben junge Männer sollen versucht haben, einen Obdachlosen anzuzünden. Die Polizei hat sie alle gefasst - die meisten haben sich freiwillig gestellt. Sie sind zwischen 15 und 21 Jahre alt und kommen aus Libyen und Syrien, so die Polizei. Und: Es sind alles anerkannte Flüchtlinge. Diskutiert wird darüber schon länger: Wie ist das mit der Kriminalität von Leuten, die keinen deutschen Pass haben? Bastian Sorge aus der Inforadio-Redaktion hat sich Zahlen angeschaut, die Auskunft über die Tatverdächtigen in Deutschland geben. Es geht um Tatverdächtige, also nicht um die Täter - die stehen nicht in der Kriminalstatistik.

Die Kriminalstatistik dieses Jahres gibt es noch nicht, als Grundlage muss also die des letzten Jahres dienen.

Darin sind 556.000 sogenannte nicht-deutsche Tatverdächtige aufgeführt – knapp 13 Prozent mehr als im Jahr davor. Das umfasst alle Menschen, die keinen deutschen Pass haben, also unter anderem auch anerkannte Asylsuchende und Flüchtlinge. Wichtig: Dabei sind Straftaten, die nur Ausländer begehen können – also zum Beispiel unerlaubte Einreise - schon herausgerechnet.

Diese 556.000 nicht-deutschen Tatverdächtigen haben einen Anteil von 27,6 Prozent an den insgesamt gut zwei Millionen Tatverdächtigen, die es letztes Jahr in Deutschland gab. Laut Statistischem Bundesamt sind aber nur 11,8 Prozent der Bevölkerung in Deutschland Ausländer. Sprich: Der Anteil der tatverdächtigen Ausländer ist mehr als doppelt so hoch wie ihr Anteil an der Bevölkerung.

Schaut man sich die unterschiedlichen Straftaten an, fällt auf, dass der Anteil vor allem beim Taschendiebstahl besonders hoch ist: 76 Prozent der Tatverdächtigen hatten da keinen deutschen Pass. Auch bei Wohnungseinbruch und Diebstahl sind die Zahlen besonders hoch: Da waren es 40 bzw. 37 Prozent.

Über 36.000 nicht-deutsche jugendliche Tatverdächtige

Bei Fällen von Körperverletzung stellten Ausländer letztes Jahr knapp 27 Prozent der Tatverdächtigen.

Nun zu den unterschiedlichen Altersgruppen – hier setzt sich das eben schon beschriebene Bild fort. Insgesamt gab es letztes Jahr 36.400 nicht-deutsche jugendliche Tatverdächtige – damit liegt ihr Anteil an allen Tatverdächtigen in dieser Altersgruppe bei 21 Prozent. Dabei stellen sie in dieser Altersgruppe nur 10 Prozent der jugendlichen Gesamtbevölkerung. Also auch hier: Ihr Anteil an den Tatverdächtigen ist doppelt so hoch wie ihr Anteil an der Bevölkerung.

Für die Altersgruppe 18 bis unter 21 gilt dasselbe. Und bei den Erwachsenen ist die Diskrepanz sogar noch größer: Der Anteil der Ausländer an der erwachsenen Gesamtbevölkerung liegt bei 10,7, ihr Anteil an den Tatverdächtigen bei 26,4 Prozent.

Herkunft der Opfer wird nicht erfasst

Wichtig ist: Wie viele Tatverdächtige es gibt, ist genau erfasst. Die genaue Bevölkerungszahl und somit der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung ist aber nur eine Schätzung, die auf dem Zensus von 2011 basiert.

Übrigens ist auch unklar, wie oft Ausländer und Flüchtlinge Opfer von Straftaten werden. Dazu lässt sich keine Aussage treffen, weil die Herkunft der Opfer nicht erfasst wird.