Di, 21.05.2013 | 09:33 Uhr
Nach dem unblutigen Ende der Geiselnahme in Berlin-Zehlendorf soll der Täter voraussichtlich noch am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Weitere Informationen wollten die Behörden im Laufe des Tages geben. Inforadio-Reporter Hendrik Schröder war in der Nacht am Tatort, er schildert die Geschehnisse.
Der Täter hatte am Freitag bei einem Banküberfall im Berliner Stadtteil Zehlendorf einen 40 Jahre alten Bankangestellten in seine Gewalt gebracht. Erst nach langen Verhandlungen mit der Polizei ließ er sein Opfer in den frühen Morgenstunden frei. Die Beamten konnten den Geiselnehmer festnehmen.
Inforadio-Reporter Hendrik Schröder war in der Nacht am Tatort. Wie er im Gespräch mit Alexander Schmidt-Hirschfelder berichtete, hatte sich der Täter fast zehn Stunden in der Bankfiliale verschanzt. Die Polizei habe die ganze Zeit über mit dem Geiselnehmer verhandelt. Kurz vor 1.30 Uhr sei dann das Ende der Geiselnahme verkündet worden. Der Bankangestellte sei äußerlich unverletzt, er habe aber entkräftet und mitgenommen ausgesehen.
Der Täter soll mit einer Sprengstoffexplosion gedroht haben. Unbestätigten Berichten zufolge soll es sich um einen Mann aus Brandenburg handeln. Ein Polizeisprecher sagte, der Geiselnehmer habe sich letztlich widerstandslos festnehmen lassen und sei unverletzt geblieben.
Täter soll 19-jähriger Russland-Deutscher sein
Die Geiselnahme im südwestlichen Berliner Bezirk Zehlendorf hatte am Freitag um kurz vor 16.00 Uhr begonnen. Der Täter drang in die Filiale der Deutschen Bank ein und nahm den Angestellten der Bank als Geisel. Etwa 20 Menschen, die sich zum Zeitpunkt des Überfalls im Obergeschoss des Gebäudes aufhielten, konnten durch einen Notausgang flüchten.
Der Geiselnehmer gab an, einen Sprengsatz bei sich zu haben. Er forderte laut Medienberichten eine Million Euro Lösegeld sowie einen Fluchtwagen. Die Polizei bestätigte diese Angaben nicht. Ein Polizeisprecher sagte lediglich, der Mann habe einen "höheren Geldbetrag" und freien Abzug gefordert. Auch nach dem Ende der Geiselnahme wollte sich die Polizei nicht näher äußern.
Nach Informationen der "Berliner Morgenpost" soll es sich bei dem Geiselnehmer um einen 19 Jahre alten Russland-Deutschen handeln. Die Zeitung meldet außerdem, dass der Mann keine echte Bombe oder funktionierende Waffe bei sich hatte.
Geiselnahme führte zu Verkehrschaos in Zehlendorf
Die Polizei schickte rund 300 Einsatzkräfte zum Tatort. Die normalerweise stark befahrene Straße, an der die Filiale liegt, wurde gesperrt. Das Gebiet um die Bank wurde im Umkreis von rund 500 Metern abgeriegelt, was zu einem Verkehrschaos im Bezirk Zehlendorf führte.
Wowereit lobt Polizei
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat am Samstag das Vorgehen der Polizisten gewürdigt. "Ich bin erleichtert über das glückliche Ende der Geiselnahme und danke den Polizisten für ihren professionellen Einsatz", sagte er. Nun sei es Aufgabe der Ermittlungsbehörden, die Hintergründe des Falles vollständig aufzuklären.