Di, 21.05.2013 | 13:29 Uhr
Immer mehr Tote und Verletzte, Schäden in schwindelerregender Höhe - der Hurrican "Sandy" hat die US-Ostküste schwer getroffen. Und die Gefahren durch den Sturm sind noch nicht vorbei.
Das ganze Ausmaß der Naturgewalten, die seit Montagnacht über die Ostküste der USA zogen, ist noch gar nicht abzusehen. Am Mittwochmorgen ist von über 50 Toten die Rede, allein in New York starben nach Angaben von Bürgermeister Michael Bloomberg 22 Menschen. Schadensschätzungen gehen mittlerweile in astronomische Höhen, Experten rechnen mit bis zu 20 Milliarden Dollar.
US-Präsident Barack Obama will an diesem Mittwoch den besonders schwer betroffenen Bundesstaat New Jersey besuchen. Er bezeichnete die Folgen des Sturms als "herzzerreißend" und warnte, dass die Gefahren durch den Sturm noch nicht vorbei seien. Allerdings kündigte er an, seinen Wahlkampf am Donnerstag wieder aufnehmen zu wollen.
Handel an der Wall Street wieder aufgenommen
Nach einer zweitägigen Zwangspause wegen des Hurrikans nahmen am Donnerstag die New Yorker Börsen den Aktienhandel wieder auf. Hurrikan "Sandy" hatte den Betrieb der Wall Street und am Times Square in Manhattan am Montag und am Dienstag lahmgelegt. Wegen eines Unwetters hatten die beiden größten Börsen der Welt zuletzt 1985 vorübergehend schließen müssen. Damals war Hurrikan "Gloria" der Anlass.
Manhattan ist praktisch von der Welt abgeschlossen
Der Sturm hatte das Festland der USA am Montagabend (Ortszeit) nahe Atlantic City in New Jersey erreicht. Wasser spülte in New Yorker U-Bahn-Tunnel und Straßen wurden überflutet. Mindestens 750.000 Menschen sind nach wie vor ohne Strom. Die Elektrizitätsgesellschaft Con Edison schätzt, dass es eine Woche oder sogar noch länger dauern könnte, bis alle New Yorker wieder ans Netz angeschlossen sind.
Teile von Manhattan waren von einer mehr als vier Meter hohen Flutwelle überspült worden. Bei der Explosion eines Umspannwerks im New Yorker Stadtteil Queens wurden bei einem Großbrand bis zu 100 Häuser zerstört.
US-Korrespondent Rüdiger Paulert berichtete bei uns im Inforadio, New York könne wieder per Flugzeug erreicht werden, nur der Flughafen La Guardia bleibe weiterhin geschlossen. Problematisch sei weiterhin, dass die Stromversorgung in weiten Teilen der Stadt noch nicht wieder funktioniere. Einen Zeitplan, wann die Versorgung wieder stehe gebe, es nicht: "Manhattan ist praktisch von der Welt abgeschlossen".
Bürgermeister Bloomberg kündigte an, das Leben in der Stadt werde wieder halbwegs normal verlaufen und verbreitete Optimismus. "New York ist morgen wieder im Geschäft", sagte Bloomberg. Allerdings schränkte er ein: "Das gilt zumindest da, wo Strom ist."
Experte: "War nur ein mittel-großer Sturm"
Dr. Martin Voss, Leiter der Katastrophenforschungsstelle an der FU Berlin, sagte am Mittwoch im Inforadio, es sollte den US-Behörden zu denken geben, dass sie bei einem solchen "mittel-großen" Sturm schon an ihre Grenzen gerieten. Da könne man mit viel stärkeren Ereignissen rechnen. Das Management habe aber insgesamt betrachtet wohl ganz gut funktioniert. Das Problem im Katastrophenschutz liege immer in der Verwaltung und im Föderalismus. In diesem Fall habe es aber offenbar eine zentrale Organisation gegeben, die die ganze Aktion geleitet habe.
Generell sei damit zu rechnen, dass bei stärker werdenden Stürmen die immer komplexer werdende Infrastruktur anfälliger werde. Diese Situation sei paradox. Zudem würden zu wenig Ressourcen in den Bereich der Infrastruktur gesteckt, weil man die Lage schon bald nach dem Unwetter wieder vergesse: "Man lernt immer nur im Kleinen und in job-abhängigen Wahrnehmungsmustern, die nicht der Gefahrenlage entsprechen". Das sei das Tückische, warnte Voss.
Sturm schwächt sich ab
Sandy zog am Mittwoch in abgeschwächter Form weiter ins Landesinnere und brachte starken Schneefall unter anderem über West Virginia, Pennsylvania, Tennessee und Ohio.
Der Sturm hatte am Montagabend mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 145 Kilometern in der Stunde die Küste erreicht. Mit seiner Ausdehnung über Hunderte Kilometer von South Carolina bis nach Kanada ist er einer der größten Wirbelstürme, die jemals in den USA tobten. Bereits auf seinem Zug durch die Karibik waren durch den Hurrikan 69 Menschen gestorben.