Mi, 22.05.2013 | 13:11 Uhr
In Berlin ist am Mittwoch das zentrale Mahnmal für die 500.000 von den Nazis ermordeten Sinti und Roma der Öffentlichkeit übergeben worden. Bundeskanzlerin Merkel erklärte, Deutschland werde für die Rechte der Minderheit eintreten.
Es ist eine Brunnenschale mit Blume, die einmal am Tag im Wasser versinkt und nach kurzer Zeit mit einer frischen Pflanze wieder an der Oberfläche erscheint - das Mahnmal für die von den Nazionalsozialisten ermordeten Sinti und Roma. Der israelische Künstler Dani Karavan hat es entworfen. Am Mittwoch - fast 70 Jahre nach Kriegsende - wurde es im Berliner Tiergarten nahe dem Reichstag feierlich eingeweiht.
Rose warnt vor neuem Rassismus
Der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose, warnte bei dem Festakt vor einem neuen Rassismus gegen Sinti und Roma. Dieser richte sich vordergründig gegen seine Minderheit, tatsächlich aber gehe es um die Demokratie und die demokratischen Werte insgesamt. "Hier genügen keine Verbote - die Ächtung jedweder Gewalt muss in der ganzen Gesellschaft Platz greifen."
Auch Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sowie mehr als 100 Überlebende des Völkermords vor und während des Zweiten Weltkriegs waren zur Einweihung des Mahnmals gekommen.
Merkel: Kampf für Sinti und Roma ist europäische Aufgabe
Bundeskanzlerin Merkel sagte bei dem Festakt, Sinti und Roma litten auch heute noch unter Ausgrenzung und müssten um ihre Rechte kämpfen. Es sei eine deutsche und eine europäische Aufgabe, die Minderheit in diesem Kampf zu unterstützen, "wie und wo auch immer sie leben".
Inforadio-Reporterin Sylvia Tiegs berichtet, dass es an dieser Stelle Zwischenrufe aus dem Publikum gab. In Rumänien, Ungarn oder Mazedonien würden Sinti und Roma angegriffen, teils verfolgt - weshalb viele Asyl in Deutschland beantragten. Bei der Festveranstaltung hätten Teilnehmer deshalb gerufen, auch für diese Menschen müsse Minderheitenschutz in Deutschland gelten.
Kanzlerin Merkel sagte weiter, jedes einzelne Schicksal des Völkermords an den Sinti und Roma "erfüllt uns, erfüllt mich mit Trauer und mit Scham". Die Frage nach dem Warum bleibe eine Aufgabe, um in der Zukunft Gefahren frühzeitig zu erkennen und Schlimmeres zu verhindern.
Kulturstaatsminister Neumann: Spät, aber nicht zu spät
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) zeigte sich vor der Einweihung erleichtert, dass das Denkmal nun endlich vollendet sei. "Das Mahnmal kommt zwar spät, aber es ist nicht zu spät", sagte Neumann im Inforadio. Es sei wichtig, dass die Überlebenden die Einweihung noch miterleben dürften. Zudem stünden alle Faktionen des Bundestages und auc auch die Opfergruppen hinter dem Entwurf. Dies sei "dann doch ein wichtiges Zeichen".
Der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, bewertete das Mahnmal trotz der langen Verzögerung als "eine Geste der Bundesregierung gegenüber den Opfern". Damit bekenne sich die Politik zu diesem Teil der deutschen Geschichte, sagte er dem in Berlin erscheinenden "Neuen Deutschland".
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach sich dafür aus, das Mahnmal als Mahnung zu verstehen, um verstärkt für Toleranz gegenüber Sinti und Roma einzutreten. Fremdenfeindliche Angriffe dürften nicht hingenommen werden.
Täglich eine frische Blume auf dem Denkmal
Die Gestaltung der Gedenkstätte verantwortet der israelische Künstler Dani Karavan. Er schuf eine runde, schwarze Wasserschale, die Symbol für Tod, Vernichtung und neues Leben sein soll. In der Mitte des Beckens wird auf einer versenkbaren, dreieckigen Stele täglich eine frische Blume liegen.
Die Errichtung des Denkmals geht auf einen Beschluss der Bundesregierung von 1992 zurück. Sie erfüllte damit eine lange bestehende Forderung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Um die Inschrift des Denkmals gab es danach aber jahrelange Kontroversen zwischen verschiedenen Opferverbänden. Ein wesentlicher Streitpunkt war, wie die Opfergruppe zu bezeichnen sei.