Sa, 18.05.2013 | 17:57 Uhr
Zum Start des Wintersemesters platzen die Universitäten der Hauptstadtregion aus allen Nähten. Grund sind unter anderem die doppelten Abitur-Jahrgänge. HU-Präsident Olbertz fordert mehr Geld vom Senat. Inforadio befasst sich heute schwerpunktmäßig mit dem Thema Studieren in Berlin und Brandenburg.
Es wird eng im Hörsaal: Immer mehr Abiturienten streben ein Studium in der Hauptstadtregion an. Zum einen lockt das für junge Leute attraktive Berlin, zum anderen genießen gerade die Freie Universität und die Humboldt-Universität einen exzellenten Ruf. Beide können sich mit dem Titel einer Elite-Einrichtung schmücken.
Dazu kommen die doppelten Abiturjahrgänge: Schon 2011 konnten in Bayern und Niedersachsen zwei Jahrgänge gleichzeitig ihr Abitur machen. 2012 folgten dann Baden-Württemberg, Brandenburg, Berlin und Bremen.
HU-Präsident: Senat muss mehr Geld zahlen
Der Präsident der Humboldt-Uni, Jan-Hendrik Olbertz, sieht die Berliner Universitäten an ihrer Belastungsgrenze. Wenn das Land Berlin nicht mehr Geld zuschieße, müsse man die Hochschulen verkleinern, sagte Olbertz am Montag im Inforadio.
"Wir sind strukturell deutlich unterfinanziert. Wir kriegen ... nur für 50 Prozent der Studenten das Master-Studium ausfinanziert. Aber es wechseln 75 Prozent vom Bachelor, also der ersten Studienphase, in den Master. Es geht gar nicht anders: Es [das Land Berlin] muss mehr Geld rüberschieben, sonst haben wir nur die Möglichkeit, die Universitäten in Berlin zu verkleinern ....Das ist eine Frage des politischen Willens."
Deutlich mehr Bewerber an FU und HU
Vor allem an der Humboldt-Universität (HU) und der Freien Universität (FU) gingen für das Wintersemester deutlich mehr Bewerbungen ein als im Vorjahr. Die Humboldt-Universität verzeichnet 4.600 Bewerbungen mehr als noch im vergangenen Jahr. Insgesamt wollten rund 34.800 junge Menschen auf die Hochschule im Zentrum der Stadt, bei gerade einmal 4.900 zu vergebenden Bachelor-Studienplätzen.
Auch in der Poststelle der FU gab es bis zum Einsendeschluss viel zu tun. 32.000 Bewerbungen gingen für 4.200 Plätze ein, rund 2.000 mehr als im Vorjahr.
Die FU hat für das Wintersemester noch einmal 200 neue Studienplätze geschaffen, die HU lässt sogar 550 Bachelorstudenten mehr zu als im Vorjahr. An beiden Unis besonders begehrt sind die Fächer Psychologie und BWL.
Bildungsforscher kritisiert Studienbedingungen
Wegen der starken Zunahme der Studentenzahlen an deutschen Hochschulen sind nach Ansicht des Bildungsexperten Dieter Timmermann die Studienbedingungen heute schlechter denn je. Diejenigen, die jetzt studierten oder in den kommenden Jahren anfangen würden, hätten "schlechtere Bedingungen als die
Generationen vor ihnen", sagte der Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW) der "Süddeutschen Zeitung".
"Die Seminare sind voller, es mangelt an Platz zum Lernen, es wird wieder auf den Treppen gesessen." Auch die Wohnungsnot bei Studenten werde sich weiter verschärfen, sagte Timmermann. "Wir haben bereits vielerorts eine schwierige Lage."
Der Bildungsforscher kritisierte zudem die Bologna-Reform, mit der das Bachelor- und Master-System eingeführt worden war. "Die Studierenden müssen heute von einer Veranstaltung zur nächsten hetzen, wenn sie das vorgegebene Vollzeit-Pensum erreichen wollen. Das Studium ist vollgestopft, es macht sich ein Lernen unter Zeitdruck breit. Eine wirkliche Bildung kann sich so nicht entwickeln."