Mi, 22.05.2013 | 15:15 Uhr
Die Europäische Union wird mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das gab das Nobelkomitee in der norwegischen Hauptstadt Oslo bekannt. Die Union und ihre Vorläufer trügen seit mehr als sechs Jahrzehnten zu Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten in Europa bei, hieß es in der Begründung. Bundeskanzlerin Merkel sprach von einer "wunderbaren" Entscheidung.
Auch wenn die EU derzeit mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und sozialen Unruhen zu kämpfen habe, wolle das Nobelkomitee den Blick auf den wichtigsten Erfolg der Union richten: den erfolgreichen Kampf für den Frieden und die Demokratie. Die Gemeinschaft stehe für "Brüderlichkeit zwischen den Nationen".
Besonders hob das Komitee die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich hervor, die noch im 19. und 20. Jahrhundert drei Kriege gegeneinander geführt hatten. Heute sei dies undenkbar.
Freude über den Preis
Die Bundesregierung nahm das Votum mit Freude auf. Kanzlerin Angela Merkel sprach von einer "wunderbaren Entscheidung". Für sie sei es Ansporn und Verpflichtung zugleich, an der Gemeinschaft weiter zu arbeiten.
Der frühere Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), nannte den Preis die schönste Anerkennung für die Leistungen der EU. Die Europäische Union sei heute eine Gemeinschaft des Friedens und der Freiheit, sagte der CDU-Europaabgeordnete bei uns im Programm.
Klaus Hänsch (SPD), auch ehemaliger Präsident des EU-Parlaments, sagte ebenfalls im Inforadio, das Signal komme gerade zur "rechten Zeit". Er hoffe sehr, dass diese Auszeichnung auch das Ansehen der EU bei den Bürgern wieder erhöhe: "Es erinnert daran, wie alles angefangen hat. Wenn wir heute Streit haben, wenn wir Probleme miteinander haben, wenn wir hier und da Nationalismus haben, dann ist es gut daran zu erinnern, dass solche Streitigkeiten heute am Verhandlungstisch und nicht wie vor 70 Jahren noch auf den Schlachtfeldern Europas gelöst werden."
Der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, bezeichnete die Entscheidung als "große Ehre für alle 500 Millionen Bürger in der gesamten EU".
Nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kann der Nobelpreis der EU neue Kraft geben, sich für die Opfer für Menschenrechtsverletzungen einzusetzen. Linken-Chefin Kipping kritisierte dagegen die Vergabe. Es habe schon etwas Absurdes, wenn eine der größten Waffenschmieden der Welt den Friedensnobelpreis bekomme, sagte sie in einem Zeitungsinterview.
Preisverleihung am 10. Dezember
Der Friedensnobelpreis gilt als höchste Auszeichnung für Verdienste um Frieden und Menschenrechte.
Der schwedische Industrielle und Erfinder Alfred Nobel (1833-1896) stiftete den Preis, der seit 1901 jedes Jahr an seinem Todestag, dem 10. Dezember, in Oslo verliehen wird. Der Preis ist in diesem Jahr mit acht Millionen Kronen (umgerechnet etwa 925.000 Euro) dotiert. Im Vorjahr war der Preis noch mit zehn Millionen Kronen (rund 1,1 Millionen Euro) dotiert.